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Wie die OM-Schiffsarbeit begann

George Verwer lag im hinteren Teil eines alten, arg mitgenommenen Lieferwagens auf Kisten voller Bücher und Material. Der Wagen war Teil eines OM-Fahrzeug-Konvoys  von Europa nach Indien. Für George – immer energiegeladen und immer sehnlichst neue Einsätze erwartend – muss diese harte, zweimonatige Reise, auf der er meist sitzen oder liegen musste, eine reine Folter gewesen sein.

Die Reise erlaubte es ihm, viel nachzudenken. Dabei entstand eine Idee: Diese zweimonatige Folter war doch eine ungeheure Zeitverschwendung! Fliegen? Ja, aber wenn man bedenkt, wie viele Traktate man für den Preis eines einzigen Flugtickets kaufen könnte… Es musste doch einen anderen Weg geben.

Einige Monate später: George war nun wieder zuhause in England. Die Idee, mit einem Schiff zu evangelisieren, wurde geboren. In einer temperamentvollen Präsentation legte er dar, wieviel Geld gespart werden könnte, wenn Mitarbeitende und Güter mit einem Schiff zwischen England und Europa, ja bis nach Indien transportiert werden könnten. Auch andere OM-Leiter warfen ihre Ideen, von humorvoll und irrwitzig bis machbar, in die Runde. Alle waren zwischen 20 und 30 und keiner von ihnen hatte auch nur ein bisschen Erfahrung mit Schiffen. Auch Geld für ein solches Unterfangen gab’s nicht. Aber George liess sich nicht von seiner Idee abbringen. Er sprach immer über seine Vision, wenn er in Kirchen predigte. Und immer ermutigte er die Leute, dafür zu beten.

Ein Jahr verging, dann zwei. Reaktionen liessen nicht auf sich warten: Einige OMer brauchten harte Worte, die meisten davon waren negativ. Eine Reaktion jedoch kam von einem britischen Kapitän. Dieser unterstützte George bei Präsentationen in christlichen Versammlungen. Seine Anwesenheit verlieh dem Vorhaben mehr Glaubwürdigkeit.

Die Suche nach einem passenden Schiff für OM‘s eher ungewöhnlichen Dienst begann. Ein Strom professioneller Seeleute verpflichtete sich, ohne Bezahlung, auf einem Schiff zu arbeiten, welches noch nicht einmal existierte: Da war ein australischer Chief Ingenieur; ein norwegischer Erster Deck Offizier, der erst seit einem Jahr Jesus nachfolgte; und sogar ein junger arabischer Deckoffizier, der Jesus zu Beginn des Projektes noch nicht einmal kannte. 1970 waren bereits 15 professionelle Mannschaftsmitglieder an Bord – bildlich gesprochen.

Dann, ein Schock: Der britische Kapitän entschied sich nach viel Gebet, dass er für seinen Dienst als Kapitän eine Deadline setzen müsse. Wenn Gott bis Ende August 1970 kein Schiff zur Verfügung gestellt habe, würde er sich aus dem Abenteuer zurückziehen.

Im September 1970, während der jährlichen OM-Konferenz in einer zugigen, leeren Fabrik in London, sprang George aus seinem provisorischen Büro und rief: „Sie ist frei! Die Umanak steht zum Verkauf!“

Die Umanak war das dänische Schiff, für welches sich die OM-Leiterschaft entschieden hatte. Eine nigerianische Firma hatte jedoch eine bessere Offerte für die Umanak gemacht. Dieser Handel kam schliesslich nicht zustande und so war das Schiff wieder zu haben. Gott stellte dann auch das nötige Geld für den Kauf bereit.

Der britische Kapitän, der seine Deadline auf Ende August gesetzt hatte, wollte seine Entscheidung nicht ändern, da er sicher war, dass sie von Gott erwirkt worden war. Er hatte eine wichtige Rolle im Projekt gespielt, lenkte das Schiff aber nie! Der norwegische Erste Offizier wurde an seiner Stelle Kapitän der Umanak.

OM gab dem Schiff einen neuen Namen: Logos. Das bedeutet in Griechisch ‚geschriebenes Wort‘ und wird in der Bibel für Jesus Christus gebraucht.

Dem Glauben folgt Entdeckung

Am 26. Februar 1971 verliess die Logos London und brach zu ihrer Jungfernfahrt nach Indien auf. Sie fuhr der afrikanischen Westküste entlang nach Süden und stoppte in mehreren Häfen, um Wasser, Lebensmittel und Treibstoff aufzunehmen. Der ein bis zwei Wochen lange Aufenthalt in jedem Hafen gab der Mannschaft eine Möglichkeit, Traktate zu verteilen, von Tür zu Tür zu gehen, Open Air Veranstaltungen zu organisieren, Schulen und Gemeinden zu besuchen und wann immer möglich auch andere Versammlungen zu organisieren. An Bord befand sich auch eine kleine Buchausstellung und ein Ort, wo sich christliche Leiter treffen konnten.

Als das OM-Team an einem Sonntagmorgen von einem Kirchenbesuch in Kapstadt in Südafrika zurückkam, fanden sie eine Warteschlange von Leuten im Hafen, die bis zur Logos reichte. Was war das? Einheimische waren gekommen, um nach dem Gottesdienst das Schiff zu besuchen. Über 600£ wurden an diesem Tag für Bücher eingenommen. Das war das erste Mal, dass beim Verlassen eines Hafens alle Rechnungen aus Buchverkäufen gedeckt werden konnten.

Dies bewirkte eine Erleuchtung: Unsere Seeleute konnten Einsätze an Land machen, das Schiff selbst jedoch konnte auch eine Attraktion sein – eine Plattform für Einsätze, indem es Bücher zum Verkauf anbot, Schiffsführungen anbot, ein Lokal für Konferenzen offerierte und persönliche Kontakte mit der Mannschaft erlaubte.

Und so blieb es. Lange Warteschlangen vor dem Schiff wurden in den folgenden Monaten und Jahren normal. Die ursprüngliche Vision, Volontäre und Fracht zu transportieren, wurde von einer viel grösseren Vision ersetzt: Ein Schiff, das von Hafen zu Hafen die Gute Nachricht in die ganze Welt trägt und Sein Wort der Hoffnung zu Nationen jeder religiösen und politischen Überzeugung bringen würde. So begann die Schiffsarbeit!

Seit 1970 hat OM-Ships:

  • vier verschiedene Schiffe besessen
  • 45 Millionen Leute an Bord willkommen geheissen
  • über 70 Millionen biblische Schriften verteilt
  • 150 Länder und 1470 Häfen besucht
  • 10‘000 Crew-Mitglieder und Mitarbeitende ausgebildet
  • mit über 60‘000 Kirchen und Gemeinden Kontakt gepflegt
  • mehr als sechs Millionen Teilnehmende an Veranstaltungen an Bord willkommen geheissen
  • durchschnittlich 250‘000 Kindern einen Schiffsbesuch ermöglicht
  • 38,5 Millionen Bücher verkauft
  • mit über 40‘000 lokalen Hafen-Volontären zusammengearbeitet
  • ungezählte Menschen zum Glauben an Jesus geführt  

1961 arbeitete Elaine Rhoton mit ihrem Ehemann, Dale, als er OM’s Arbeit in der Türkei begann. 1967 gab es Visa-Probleme und die Arbeit in der Türkei musste aufgegeben werden. Stattdessen begannen sie Bibeln und christliche Literatur zu Christen in kommunistischen Ländern zu transportieren. In 1975 übergaben sie diese Arbeit an andere und wurden Teil der Schiffsarbeit. 1978 kamen sie mit ihren Kindern an Bord der Doulos. Auch heute noch arbeiten die Rhotons für OM Ships.