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Love Europe: Umgestaltung der Sommereinsätze

Es war enorm: der Lobpreis, die Predigten, das Gefühl, prophetische Geschichte zu schreiben, das Gefühl, zu erleben, wie Gott etwas Neues schuf – OM, Love Europe und hunderte Gemeinden und Organisationen in ganz Europa waren bereit.

„Tausende Menschen diskutierten das Evangelium bereitwillig und offen mit Love Europe-Teams; viele begannen eine Beziehung mit Christus. Teams erfuhren Gottes Kraft und Segen während sie ihm mit Freude dienten“, fasste der Direktor von Love Europe, Stuart McAllister, im Oktober 1989 die Love Europe Konferenz und Einsätze zusammen.

Für Katherine Porter (Grossbritannien) war die Ankunft bei Love Europe völlig verwirrend. Es war ihr erster OM-Einsatz und noch nie zuvor war sie mit mehr als 200 Christen zusammen in einem Raum gewesen. „Da waren überall Menschen, Sprachen, Autos, rote Becher* und Rucksäcke“, erinnert sie sich. „Wir schliefen in einer Halle mit 500 anderen. Die Begeisterung war unglaublich. Mit den Temperaturen stiegen auch die Teilnehmerzahlen.“

Etwas Grösseres

Der Gebietsleiter von OM Europa, Dennis Wright, hatte Gott darum gebeten, OM eine Aufgabe zu geben, die so gross war, dass kein Feld sie alleine bewältigen konnte. Traditionelle Sommereinsätze schienen veraltet. Selbst mit 2000 Teilnehmern, die sich auf drei Startkonferenzen im Juni, Juli und August verteilten, schien es einen Verlust von Dynamik und Leidenschaft in der Gewinnung neuer Teilnehmer zu geben und einen grossen Wunsch danach, die Qualität des Trainings und Einsätze zu verbessern.

Es herrschten Energie, Vision, Dynamik und Tatendrang. Ein Werbevideo spielte eine tragende Rolle für diesen neuen Ansatz. Alle OM-Länder erhielten eine hochqualitative Broschüre in verschiedenen Sprachen, von der 85 000 Ausgaben gedruckt wurden. Dies erregte grosses Aufsehen.

Besonders in die Veränderung von Strukturen, die Ausrüstung der neuen Einsätze, die Verarbeitung und in die Zielgebiete wurde viel Arbeit investiert. „In manchen Punkten gab es echte Spannungen und Meinungsverschiedenheiten“, erinnert sich Stuart. „Referenten von ausserhalb und bekannte Lobpreisbands zu nutzen war kontrovers, aber der Eifer riss uns mit und die Zusammenstellung der Referenten – Floyd McLung, Lius Palau, Tony Campolo, Melody Green, Brother Andrew, Bob Hitching und einige andere – stellte sich als grosse Attraktion heraus.“

Einige andere europäische Missionsorganisationen schlossen sich mit OM zusammen und nehmen an der Konferenz und den Einsätzen teil. Stuart fährt fort: „OM betete für 5000 Teilnehmer. Die Reaktion war grösser als wir erwartet hatten und bereits im Februar hatten sich fast 5000 angemeldet. Als die Zeit des Kongresses in Offenburg kam waren es 7000. Es lief sehr gut … aber hinter den Kulissen gab es grosse Herausforderungen.“

Mit 7000 Menschen aus 76 Nationen, die während einer Hitzewelle in einer kleinen deutschen Stadt zusammenkamen, war die Atmosphäre wie elektrisiert – ein Empfinden, dass Gott in Bewegung war. „Das Meer von Gesichtern und all die bewegten Leben zu sehen war wirklich erbaulich. Aber,“, fügt Stuart hinzu, „jedes Teammitglied und jeder Leiter musste auf zusätzliche Ressourcen zurückgreifen. Nur durch schlaflose Nächte, viel Kreativität und Vergebung konnte das Ganze möglich werden.“

Die grössten Gruppen kamen mit 1348 Vertretern aus Grossbritannien, mit 948 aus den USA und Kanada, mit 588 aus Westdeutschland und aus den Niederlanden mit 362 Teilnehmern. Überraschenderweise kamen aus Polen, der Tschechoslowakei, Jugoslawien und Ungarn 94 Osteuropäer zur Konferenz. 20 junge Männer und Frauen waren einzelne Botschafter aus Entwicklungsländern aus Afrika, Asien, Südamerika und der Karibik.

Der Auszug

Der Auszug von 96 Reise- und Doppeldeckerbussen und einer Flotte von 204 Minibussen, die sich am 28. Juli nach ganz Europa aufmachten, war ein atemberaubender Anblick – 437 Love Europe-Teams, die drei Hauptgruppen anpeilten: Muslime, Osteuropa und verschiedene Städte in Europa. Die Einsatzteams waren eine Mischung. Es gab kleinere Teams aber auch einige mit bis zu hunderten Teilnehmern, z. B. in Berlin, Barcelona, Krakau und vielen anderen Städten. In Bristol, Grossbritannien, schlossen sich 435 junge Menschen aus 24 verschiedenen Ländern mit 37 Gemeinden von dort zusammen; mindestens 300 Menschen bekannten sich dort zu ihrem neugefundenen Glauben an Christus.

Ungefähr ein Drittel der Teilnehmer machte sich auf den Weg nach Osteuropa, um dort zu beten und das Evangelium überall, wo sie nur konnten, zu verkünden. Das Team von Katherine Porter ging in die Region um den Plattensee im noch immer kommunistischen Ungarn. „Die Geschichten über die Bibelschmuggler von OM haben uns gleichermassen begeistert und verängstigt“, schrieb sie Jahre später. „Was würde an der Grenze geschehen?“ Sie waren 18 Teilnehmer im Team und sprachen nicht dieselbe Sprache. „Aber am deutlichsten erinnere ich mich an den Moment, als Bob Hitching sich während des Kongresses auf einen Stuhl stellte und eine unglaubliche Wahrheit verkündete: ‚Satan mag der Prinz von Ostdeutschland sein‘, er machte eine Pause und rief dann durch die ganze Halle: ‚Aber Jesus ist König!‘ Die riesige Menge antwortete mit einem allmächtigen Tosen, das noch heute mein Herz höherschlagen lässt.“

Die Zukunft, die Neunziger: Europa verändert sich

Wie prophetisch diese Worte tatsächlich waren, zeigte sich nur wenige Monate später, als die Berliner Mauer fiel und sich das Gesicht Europas für immer veränderte. Wenig später wurde die Welt Zeuge, wie sich der Kommunismus auflöste und die Grenzen sich öffneten.

Love Europe 1989 war wahrscheinlich der am breitesten angelegte evangelistische Einsatz in Europa, der jemals unternommen wurde. „Die Rückmeldung der anderen Organisationen war sehr positiv und wir spürten, dass wir mehr zusammen tun könnten. Von 1989-1995 behielten wir eine gemeinsame Richtung bei. Später konzentrierten sich alle wieder auf kleinere und unterschiedlichere Einsätze“, erinnert sich Stuart McAllister. „Love Europe hatte eine grosse Bedeutung für die Verschiebung der Grenzen innerhalb von OM und die Eröffnung neuer Möglichkeiten, so etwas zu tun. Fehler wurden gemacht, aber im Grossen und Ganzen war das Ergebnis positiv. Gott ist gut!“

*Jeder Teilnehmer erhielt bei der Ankunft einen roten Becher.

Anne Marit Viljoen kommt aus Norwegen. Sie fing Anfang der 1980er-Jahre mit drei Sommereinsätzen in Frankreich an und arbeitete seither als Langzeitmitarbeiter in der Verwaltung, Gästebetreuung, Leitung und Kommunikation in Europa und in der Region Ostasien/Pazifik von OM. Sie und ihr Ehemann leben in Norwegen, momentan ist sie Teil des Kommunikationsteams von OM Europa.