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Türken finden zu Jesus

Als 1961 die ersten beiden OMer in der Türkei ankamen, waren keine Gläubigen mit muslimischem Hintergrund bekannt. Voller Leidenschaft dafür, dass Türken zu Jesus finden, wurden diese beiden OMer von Kurzeinsatzteams unterstützt. Sie verkauften christliche Literatur von Tür zu Tür und nachts „verloren“ sie Flyer auf der Straße, in der Hoffnung, dass diese am Morgen von jemand gefunden würden. In den 1960ern wurde so jährlich eine halbe Million Schriften verteilt.  

Die Zeitungen im Land erfuhren davon und prägten den abfälligen Ausdruck „Hristiyan propagandas?“ (christliche Propaganda). Unter fetten Schlagzeilen im eher verleumderischen Teil der Presse erschienen oft Bilder der Anstoß erregenden Schriften, inklusive lesbarem Text und Kontaktadresse. Das erweiterte völlig unerwartet den Wirkungskreis dieses Einsatzes beträchtlich.  

Zur Überraschung der ersten OMer reagierten anfangs nicht Muslime, sondern Jugendliche mit christlichem Hintergrund, die Gott kennenlernen wollten. Innerhalb weniger Jahre gab es eine wachsende Gruppe von ihnen, aber OM hatte kein biblisches Material um sie oder andere, die sich aufgrund der verteilten Literatur meldeten, auszurüsten. Darum übersetzten sie einen einfachen Bibelkorrespondenzkurs der Emmaus Bibelschule aus den USA. Das war die Geburt des Bibelkorrespondenzkurses (BKK).

Rasch wurde den OMer klar, dass sie den Kurs an sich verwenden konnten, um Menschen evangelistisch zu erreichen. Kurzeinsatzteilnehmer und eifrige junge Christen verschickten regelmäßig Angebote für diesen kostenlosen Kurs, die Adressen suchten sie aus öffentlichen Telefonbüchern. Anlässlich eines Feiertags steckten einige der jungen Leute tausende Kursangebote in Umschläge und verschickten sie inmitten der Masse von Feiertagspost. Wenige Tage danach lautete die Schlagzeile der türkischen Zeitung Hürriyet: „Christliche Propaganda überrollt Stadt!“ Als der Leiter zu seinem Postfach ging, um die eingegangenen Antworten zu holen, wurde er verhaftet. Die Gemüter waren so erhitzt, dass der Staatsanwalt bei der Verhandlung vom Richter die Todesstrafe forderte. 

Inzwischen ist der Bibelkorrespondenzkurs schon fast so alt wie OM und hat sich über die Jahrzehnte vergrößert. Dave W., über zwei Jahrzehnte Leiter des BKK, erinnert sich an die dramatischen Veränderungen Ende der 1980er: „Ich hatte versucht, Anzeigen für den BKK in Zeitschriften und Zeitungen zu platzieren, aber es wurde immer abgelehnt. Schließlich war ein linksgerichtetes Magazin bereit, das Inserat abzudrucken, das heute noch die meisten Antworten hervorruft. Da steht: „Haben Sie schon mal das Neue Testament gelesen? Schreiben Sie uns, wenn Sie mehr über Jesus Christus, sein Leben und seine Lehre wissen möchten.“ Das Magazin gestaltete selber das Inserat: ein großes Kreuz, aus dessen oberem Ende die Sonne hervorbrach.“  

Es gab eine Welle von positiven Rückmeldungen. Daraufhin war eine landesweite Zeitung bereit, das gleiche Inserat zu bringen. Dave und seine Frau, die den BKK damals von ihrem Zuhause aus betrieben, waren völlig überrascht, als wöchentlich mehr als 200 Anfragen ankamen.  

Diese große Resonanz hielt jahrelang an und bedingte eine andere Vorgehensweise, die das ganze Land veränderte. Dave konnte nicht mehr selbst zu jedem im Land kommen, der einen Besuch wünschte. Darum sprach er überall mit den Gemeindegründern, die treu das Evangelium an ihre Freunde und Nachbarn weitergaben, aber wenig Frucht sahen. Er ermutige sie, sich der Aufgabe der Nachbetreuung von denen zu stellen, die aus ihrer Nähe geschrieben hatten.  

Die Folgen waren gewaltig: Umfragen haben ergeben, dass fast die Hälfte der 7000 Gläubigen in der Türkei ihre geistliche Reise auf den Bibelkorrespondenzkurs zurückführten. Das war das Ergebnis der Partnerschaft von mutigem Evangelisieren des BKK und treuer Nachbetreuung der Gemeinden und Gemeindegründungsteams.  

Das Potenzial eines Menschen  

Achmet war ein Mann aus dem Südosten, der dem BKK schrieb und einen Besuch erhielt, aber seine Beweggründe waren nicht geistlich. Er suchte nach einem Weg, das Land zu verlassen und dachte, dass die Christen ihm helfen könnten. Er heuchelte Interesse, beendete den ersten Kursteil und bat um einen Besuch. Achmet lacht, wenn er daran denkt: „Ich wartete auf jemand, der einen Anzug trägt und aus einem Mercedes aussteigt; stattdessen kam da ein Ausländer in zerrissenen Jeans mit dem Bus!“  

Achmet war enttäuscht, als es kein Angebot von Geld oder einer Fahrkarte ins Ausland gab. Also, dachte er, muss ich den ganzen Kurs beenden. Bald drang die Botschaft des Evangeliums in sein Herz und er wartete immer ungeduldig auf die neuen Unterlagen und die gelegentlichen Besuche von Dave. Schließlich übergab Achmet Jesus sein Leben und damit auch seine Pläne, das Land zu verlassen. Heute ist er Pastor der größten Gemeinde im Südosten und ist verantwortlich für die BKK Nacharbeit in vier Nachbarprovinzen.  

Der BKK beschreitet inzwischen neue Wege und benutzt Internetanzeigen, Facebook, Twitter und Straßenevangelisation, um die Botschaft von Christus weiterzugeben. Aber die Vision bleibt die gleiche: Der BKK setzt sich für dynamische Gemeinschaften von Jesus-Nachfolgern unter den am wenigsten Erreichten in der Türkei ein.  

Aylin Mardin arbeitet seit über 30 Jahren mit OM in der Türkei. Sie war in drei Städten an der Gemeindegründung beteiligt und landesweit an der Entwicklung von türkischen Anbetungsliedern. Gemeinsam mit ihrem Ehemann hat Aylin mitgearbeitet, den Bibelkorrespondenzkurs zu entwickeln, der schlussendlich zu anderen Diensten geführt hat, wie das Projekt 1881 oder Taco, mit dem das Evangelium auf kreative Art Muslimen verkündet wird.