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Schiffbruch - aber volle Fahrt voraus

Anfangs schien es eine Träumerei zu sein, aber bis 1988 hatte die Logos 408 Häfen in 108 Ländern besucht. OMs erstes Schiff hatte 6,5 Millionen Menschen an Bord willkommen geheissen und wurde vom Schwesterschiff Doulos unterstützt, was den Dienst noch weiter ausbreitete. Während die Doulos Asien besuchte, war die Logos zum ersten Mal auf Tour in Südamerika.  

Neben der Arbeit an Bord in der Buchausstellung und bei evangelistischen Veranstaltungen gingen die Mitarbeiter auch an Land, um Gemeinden oder Hilfsprojekte zu unterstützen. Zwei Jahre auf begrenztem Raum zu leben und zu arbeiten. als Teil einer multikulturellen „Familie“, liess die jungen Menschen reifen. Sie kamen mit einem weiteren Weltbild und inspirierenden Geschichten von Gottes Wirken von ihrer Reise zurück.  

Die Schiffsarbeit wurde von wichtigen Partnern möglich gemacht, durch Gebet und praktische Unterstützung. Treue Einzelpersonen schickten finanzielle Unterstützung, Hafen- und andere Gebühren wurden aus Kulanz erlassen und Kirchgemeinden, die von der Schiffsarbeit berührt waren, sandten Spenden. Das Kielwasser von OMs Schiffsarbeit hatte weitreichende Auswirkungen. Diese Unterstützung erwies sich als Hauptstütze der Arbeit. Am 4. Januar 1988 lief die Logos auf einen unterirdischen Felsen im Beagle-Kanal zwischen Argentinien und Chile auf.  

Dieser als gefährlich berüchtigte Kanal ist voller Hindernisse. Ein argentinischer Lotse sorgte für die nötige Ortskenntnis, als sich die Logos während eines Sturms dort durchschlängelte, aber er entschied sich, früher als vereinbart zu seinem eigenen Boot zurückzukehren. Das Umsteigen des Lotsen im Dunkeln über eine Strickleiter brauchte Zeit. Die Logos driftete vom Kurs ab und konnte den Felsen nicht mehr ausweichen.

Ein laut knirschendes Geräusch und ruckende Bewegungen weckten die Mitarbeiter. Es war Mitternacht. Im Speisesaal, wo alle zusammenkamen, wurde ihnen gesagt, nicht in Panik zu geraten. Sie beteten. Die acht Kinder durften wieder zurück ins Bett, warm angezogen, die Schwimmwesten griffbereit. Versuche, die Logos im Rückwärtsgang vom Felsen zu manövrieren blieben genauso erfolglos, wie der Versuch, durch das Abwerfen von Ballast das Schiff bei steigender Flut wieder flott zu machen.  

Allmählich kam das Tageslicht – zweifellos ein Lebensretter. Aber die Logos neigte sich gefährlich nach Backbord. Auch als alle auf die Steuerbordseite geschickt wurden, konnte die Schlagseite dadurch nicht ausgeglichen werden. Der Schiffsrumpf wurde mit jeder Welle gegen den Felsen gehämmert und begann nachzugeben. Wasser drang in den Lagerraum für Bücher. Um fünf Uhr morgens gab Kapitän Jonathan Stewart (UK) den Befehl, das Schiff zu verlassen.  

„Obwohl es beängstigend war, hatte ich doch Frieden“, sagte Kathy Coy (USA). „Ich weiss, dass es nur Gottes Gnade war, die uns ruhig machte.“ Zahlreiche Augenzeugenberichte bestätigen, dass sogar die Kinder, inklusive eines sechs Wochen alten Babys, nicht unruhig waren. Judith Fredricsen (Neuseeland) war in der Schiffsklinik, ein Bein im Gips. Sie erinnert sich, wie alle zusammenarbeiteten und sich umeinander kümmerten.  

Im eiskalten Regen schlitterten sie die Decks entlang und kämpften mit den Rettungsbooten, die in riskantem Winkel hingen. Alles an Bord – nicht versicherte Ladung genauso wie persönliche Habe – wurde aufgegeben für das, was wirklich wichtig war. Innerhalb von 10 Minuten waren alle 141 Logos-Mitarbeiter von Bord und in weniger als einer halben Stunde waren alle sechs Rettungsboote zusammengeschlossen. Die Rettungsteams der chilenischen Marine nannten es ein Wunder, dass alle Seelen in Sicherheit waren. Ein junger Mann freute sich darüber, dass er keine einzige Mahlzeit verpasst hatte.  

OMs Schiffskoordinator Dale Rhoton (USA) schrieb später: “Ein Gedanke half mir, in den schwierigen Tagen nach dem Schiffbruch vernünftig und ruhig zu bleiben: ‚Die Wertsachen sind in Sicherheit!‘ Nicht einer der 141 echten Wertsachen war auch nur leicht verletzt worden. Menschen, die Erfahrung mit Evakuierungen unter ähnlichen Bedingungen hatten, waren erstaunt. Wir beugen unsere Köpfe und beten an.”  

Beim Blick zurück von den Rettungsbooten sah die staunende Logos-Familie einen Regenbogen direkt über dem Wrack stehen.  

Ersatz eines Werkzeugs, nicht eines Dienstes

Nachrichten vom Verlust des Schiffes gingen in alle Welt und eine Welle der Unterstützung setzte ein. Schiffsmakler und Buchverleger schrieben voller Mitgefühl. Einzelpersonen, Gemeinden und Hilfsorganisationen boten an, was auch immer gebraucht wurde. In Punta Arenas (Chile), wo die Logos zwei Wochen zuvor den Menschen gedient hatte, verpflegten, kleideten und trösteten genau diese Menschen jetzt die Besatzung.  

Es gab Geldspenden für die unmittelbaren Bedürfnisse und um die Kosten abzudecken, damit die Mitarbeiter nach Hause oder zu einem anderen OM Team fliegen konnten. Niemand rechnete damit, dass innerhalb von acht Wochen 1,4 Millionen Dollar zusammenkommen würden. Die internationalen Partner hatten offensichtlich die Absicht, dass es eine Logos II geben sollte.  

Bei einer der ersten Spenden (13,17 Dollar) von jungen Geschwistern aus Georgia (USA) lag ein Brief dabei, in dem stand: „Das reicht wohl nicht für ein Schiff, aber es ist ein Anfang.“  

An Bord des Krankenhaus-Schiffes Anastasis von Jugend mit einer Mission sammelten Freiwillige ein Solidaritätsopfer ein. Sie schickten ein Fax, ermutigt durch einen ähnlichen Schiffbruch in der Bibel, als der Apostel Paulus auf Grund lief: „Apostelgeschichte 27 – keine Todesopfer – zum Guten verwendet. Wir sind mit euch bis ans Ende in Jesu Namen.“  

Japanische Christen spendeten 10 000 Dollar und begannen in Werften nach einem Ersatzschiff zu suchen. Brasilianer verkauften Schmuck und einen Kühlschrank und überwiesen den Erlös. Venezolaner spendeten Rinder für ein Fundraising-Grillfest.  

Ein amerikanischer Pastor staunte: „Ich habe erlebt, wie Gottes Leute auf jedem Kontinent - vielleicht zum ersten Mal – gemeinsam eine für alle wichtige Sache möglich machen.“  

Dale Rhoton schrieb an Unterstützer: „Unser letztes Video hatte den Titel ‚Logos – das sind Menschen‘. Daran glauben wir wirklich! Wir haben nicht einen Dienst verloren. Wir haben ein Werkzeug verloren. Menschen sind unersetzlich. Dienste werden uns von Gott gegeben. Werkzeuge sind dazu da, gebraucht und dann ersetzt zu werden… Wir verpflichten uns zu beten und zu arbeiten, um das Werkzeug zu ersetzen, das verloren wurde. Die Logos wurde nicht verloren, weil sie im Hafen vor sich hin rostete. Sie fiel im Kampf! Unser Plan: VOLLE KRAFT VORAUS!”  

Die Zeit für ein geeigneteres Werkzeug wäre sowieso gekommen. Die Aktivitäten der Logos wuchsen allmählich über den verfügbaren Platz hinaus und auch eine Renovierung war nötig. Auch wenn das Jahr 1988 eine ernste Prüfung brachte, gebrauchte Gott es wirklich für etwas Gutes. OM sah, dass die Schiffsarbeit weltweit geschätzt wurde und konnte im Jahr danach ein besseres Schiff in Betrieb nehmen.  

Bis heute dient die alte Logos den Seefahrern. Sie sitzt immer noch auf dem Felsen fest, fast am Ende der Erde, und dient als Warnsignal. Ihr Nachfolgeschiff wurde inzwischen verschrottet und ihr Schwesterschiff ist im Ruhestand, aber die Logos ist drei Jahrzehnte danach immer noch ein Zeuge auf See.  

Julie Knox (UK) arbeitet als Journalistin für die OM Schiffsarbeit, seit sie aus einer Karriere als Rundfunkreporterin in diesen Dienst gerufen wurde. 2016 packte sie ihr Mikrofon und ihre kugelsichere Weste weg. Später stellte sie fest, dass ihre frühere Erfahrung als Reporterin auf Kriegsschiffen sich auch in ihrer Zeit als Journalistin auf der Logos Hope gebrauchen liess. Heute arbeitet sie im Büro der Schiffsarbeit in Deutschland vom Land aus.