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Menschenwürde für Flüchtlinge

Der Fokus der ersten OM-Einsätze lag auf Evangelisation, aber als die Mitarbeiter in der ganzen Welt im Dienst waren, stießen sie auf Situationen, die mehr forderten. Heute bieten OM-Mitarbeiter den Menschen in einigen Gebieten – ungeachtet ihres religiösen Hintergrundes oder ihrer Zugehörigkeit – auch praktische Hilfe an. Dabei stellen sie sicher, dass diese Menschen sowohl die Möglichkeit haben von Jesus zu hören, als auch einen klaren Weg gezeigt bekommen um selbst Teil einer dynamischen Gemeinschaft von Jesus-Nachfolgern zu werden.

Vietnamesische Flüchtlinge auf See retten

Als Tom Dyer 1980 an Bord der Logos Wache hatte, entdeckte er ein Boot voll mit 52 vietnamesischen Flüchtlingen. Als der Kapitän sie auf das Schiff einlud, waren die Flüchtlinge mit dem Ziel Philippinen bereits 11 Tage lang auf See. Ihnen gingen bereits die Vorräte und das Wasser aus. Am nächsten Tag entdeckten er ein weiteres Boot, in dem 41 vietnamesische Flüchtlinge saßen. Obwohl die maximale Kapazität der Logos bei 144 Passagieren lag, hieß der Kapitän die Flüchtlinge wieder an Bord willkommen.

„Als wir die 93 Extrapassagiere aufs Schiff geholt hatten, waren wir mehr als 200 Menschen an Bord, inklusive unserer Crew und den Mitarbeitern. Viele der Bootsflüchtlinge waren schwach und erschöpft“, erklärt Dyer.

Als die Logos in Thailand anlegte, wandte sich OM an das britische Konsulat in Bangkok und das Auswärtige Amt in London. Die Flüchtlinge blieben acht Wochen lang an Bord der Logos, schliefen im Speisesaal und verbrachten ihre Tage an Deck. Die UN stellte Lebensmittel zur Verfügung und letztendlich sicherte die britische Regierung ihre Umsiedlung zu.

Auf die Flüchtlinge in West- und Zentralasien reagieren

Im selben Jahr strebte ein Langzeitmitarbeiter danach, innerhalb von OM ein Hilfswerk zu gründen, um afghanischen Flüchtlingen in Pakistan zu helfen. Da OM sich jedoch auf Evangelisation und die Verbreitung von Literatur konzentriert hatte, waren die Leiter nicht darauf vorbereitet, Hilfs- und Entwicklungsarbeit in ihre Tätigkeiten zu integrieren. Nichtsdestotrotz gab OM-Gründer George Verwer seinen Segen, eine unabhängige Nichtregierungsorganisationen zu gründen – diese wuchs schließlich auf 35 Erwachsene, einschließlich einiger OM-Mitarbeiter, und bis zu 350 lokale Mitarbeiter heran. Diese dienten fünf bis acht Millionen Afghanen auf der Flucht vor der sowjetischen Unterdrückung. Die Arbeit dieser Organisation unter Menschen mit Behinderung und in der Entwicklungszusammenarbeit setzt sich bis heute fort.

1991 besuchte Julyan Lidstone, Botschafter der OM-Arbeit unter Muslimen, ein Lager an der südlichen Grenze der Türkei, wohin kurdische Flüchtlinge vor Saddam Hussein geflohen waren. Lidstone fand hoffnungslose, unhygienische Verhältnisse vor und Menschen, die wenig Hoffnung auf Überleben hatten. Er hatte internationale Hilfsangebote erhalten und wusste, dass Gott den Kurden helfen wollte, indem er Gläubige schickte um ihnen zu dienen.

Inzwischen hatte sich der Standpunkt von OM geändert – humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit sollten nun innerhalb der Organisation ermöglicht werden. „Gottes Antwort auf die Leiden der Welt war, zuerst seinen Sohn zu senden, und nun möchte er uns senden. Wenn wir seiner Anteilnahme erlauben, uns in Bewegung zu bringen, werden wir seine Herrlichkeit auf eine neue Weise sehen“, meint Lidstone.

Flüchtlinge aus Mozambique in Südafrika treffen

Mitte der 1980er Jahre flohen tausende Mosambikaner nach Südafrika, um dem Bürgerkrieg zu entkommen. Nach einer viertägigen Reise durch den Krüger-Nationalpark, einem der größten Wildschutzgebiete der Welt, siedelten sich 80.000 Flüchtlinge nahe eines OM-Teams an.

Peter Tarantal, stellvertretender internationaler Direktor von OM, sagte: „Getrieben durch das Mitgefühl zu diesen hilflosen Menschen und weil wir eine Möglichkeit sahen, viele Gemeinden Afrikas miteinzubeziehen, begannen wir in einigen der Flüchtlingslager Einsätze. Wir haben schnell realisiert, dass es unmöglich ist das Evangelium auf eine sinnvolle Weise mit einem Menschen zu teilen, der Hunger hat. Menschenwürde für Flüchtlinge heißt, dass Menschen sich um sie kümmern, ihnen Zuflucht bieten und in ihrem Namen für ihre Rechte zu kämpfen. Durch Jüngerschaft und Training haben wir ihnen ein Gefühl von Würde gegeben.“ OM begann mit einem Ernährungsprogramm, das sich zu einer umfassenden Not- und Entwicklungshilfe anwuchs. Das Team gründete außerdem zehn Gemeinden. Einige davon sind immer noch am Wachsen, so Tarantal. „Die Erfahrungen, die wir im Bereich Menschenwürde mit Flüchtlingen gemacht haben, hatten einen großen Einfluss auf unsere Arbeit in ganz Afrika. [Heute] ist der Bereich einer der Hauptpfeiler unserer Arbeit.“

Syrischen Flüchtlingen im Nahen Osten und Europa dienen

Im Kontext der aktuellen syrischen Flüchtlingskrise, einer Folge des andauernden Bürgerkrieges, merkte ein Langzeitmitarbeiter an: „Wir als Arbeiter können diesen kostbaren Menschen nicht die Hoffnung auf Gerechtigkeit geben, sondern vielmehr das freie Geschenk der Gnade. Wir bieten ihnen, was auch wir empfangen haben: Das unverdiente Geschenk Gottes, Vergebung und die Fähigkeit vergeben zu können sowie für immer frei von dem Bedürfnis nach einer ‚fairen Chance‘ zu sein.“

In den letzten fünf Jahren hat sich OM in über 20 Projekten mit mehr als 40 Gemeinden zusammengetan. „Es ist uns gelungen, uns dem anzuschließen, was Gott hier tut, um diese furchtbare Situation auf sehr deutlichen Wegen zu lösen“, meint der Leiter von OM im Nahen Osten. 25 bis 30 Mitarbeiter arbeiten direkt mit den Flüchtlingen, durch Projekte, bei denen die Menschen ein Einkommen verdienen können, Kinderprogramme, Besuche, Bibelarbeiten, Bildungsinitiativen und Nachsorge durch Gemeinden vor Ort. OM finanziert weiterhin Partnergemeinden, die Nahrungsmittel an die Menschen verteilen, die am wenigsten Zugang dazu und die größten Bedürfnisse danach haben.

In Europa ist OM in mehr als zehn Ländern in Projekten der Flüchtlingsarbeit involviert und arbeitet viel mit Gemeinden vor Ort zusammen. Seit acht Jahren unternimmt OM zweimal im Monat einen Besuch zum Bicske-Flüchtlingslager in Ungarn. Seit 2013 arbeitet OM an der Seite zweier Gemeinden in Athen, Griechenland und ist dort beteiligt an Ernährungsprogrammen für eintreffende Flüchtlinge. Als im Sommer 2015 eine Welle von Flüchtlinge die griechischen Inseln überrollte, baute OM sein Hilfsprogramm aus, indem OM andauernd freiwillige Kurzeinsatzteilnehmer schickte und sich mit weiteren Gemeinden zusammenschloss, um den steigenden Bedürfnissen gerecht zu werden. OM Deutschland und OM Österreich entwickelten spezielle Teams, die sich darauf konzentrieren, Flüchtlinge zu erreichen. Viele Freiwillige machen Besuche, bieten Sprachunterricht an und helfen bei praktischen Aufgaben, wie zum Beispiel dem Ausfüllen von amtlichen Formularen.

„Menschenwürde in OM ist ein kritisches Thema”, stellt Tarantal fest. „Wenn wir nicht dafür einstehen und Menschenwürde ausleben in allem, was wir tun, dann haben wir ein massives Loch in unserem Evangelium.“ *Name geändert  

Nicole James ist Journalistin, Lehrerin für Englisch als Fremdsprache und Abenteurerin. Sie schreibt für OM Mittlerer Osten/Nordafrika und brennt dafür, die Geschichten von Gottes Wirken untern den Völkern zu veröffentlichen und so den Menschen von den wunderbaren Dingen zu erzählen, die er in der Welt tut.