Strapline

Leben ohne Kompromisse: der unverkennbare Lebensstil von OM

Zusammenfassung: Die Entstehung eines Ethos: wie der charakteristische OM-Lebensstil Gestalt annahm.

OM entstand zu einer Zeit, als überall auf der Welt junge Menschen den damaligen Status quo infrage stellten. Kurz vor Beginn der 1960er waren die Rahmenbedingungen für George Verwer und seine Mitstreiter nahezu ideal: Sie waren bereit, mit Konventionen zu brechen, sich nicht anzupassen und konnten in dieser Zeit mit grosser Klarheit zur kompromisslosen Nachfolge aufrufen. Die Art der Jüngerschaft, von der sie sprachen, sollte einen sichtbaren Einfluss auf ihren Lebensstil und -philosophie haben, und zwar nicht nur einen Sommer, sondern das ganze Leben lang. Es ging darum, Gott und sein Reich über alles andere zu stellen, vor allem aber über die eigenen Bequemlichkeiten.

Das „Spanische Manifest” einer Gruppe von OM-Mitarbeitern der ersten Stunde spiegelt diese Gesinnung sehr gut wider. Die „25 Studenten, die Jesus Christus leidenschaftlich lieben” formulierten 1961: „Unser Herr Jesus Christus war ein Revolutionär! Bedenkt… seine grundlegenden Lehren: ‚Liebt eure Feinde.… Wer unter euch der Grösste sein will, soll euer Diener sein. Sammelt euch nicht Schätze auf Erden. So nun jeder von euch, der nicht allem entsagt, was er hat, kann nicht mein Jünger sein.’… Unser Herr Jesus hat mit allen kulturellen Mustern gebrochen, die ihn daran hinderten, aufopfernde Liebe zu leben! Damit wir dieses Leben haben, ist Jesus gekommen. Wer nun so leben möchte, ist zwangsläufig ein Revolutionär, ein Mensch, der sich nicht an die Kultur anpasst, wenn man so möchte ein ‚Fanatiker’! Wenn wir uns Wort für Wort an alles halten würden, was Jesus Christus gelehrt hat, dann würde das zweifellos eine weltweite Revolution auslösen… Es ist wahr, dass wir nur eine kleine Gruppe junger Christen sind. Wir haben uns jedoch dazu entschlossen, aus Gottes Gnade heraus unser Leben, unseren Alltag auf der Grundlage der revolutionären Lehren unseres Herrn zu leben. [Darin] liegt die Kraft, die die Welt für das Evangelium gewinnen wird… Wir werden vorangehen, bis jeder Mensch die Gute Nachricht gehört hat.”

OM-Mitarbeiter waren bald bekannt für ihren Enthusiasmus, mit dem sie für ein kompromissloses Leben einstanden. Sie wollten in ihrem Lebensstil und ihrer Sicht von der Welt konsequent sein. George lebte das natürlich vor: Er stellte alles infrage, was nicht absolut lebensnotwendig war. Schliesslich konnte man für das zweite Paar Schuhe auch tausende von Traktaten kaufen oder Benzin erstehen, um damit ein weiteres Dorf zu erreichen. Einmal übergab ihm eine kleine mexikanische Gemeinde das Opfer, das sie eingesammelt hatten. George fragte daraufhin den Pastor der Gemeinde, ob er einen Anzug besässe (er hatte keinen). Als er so im Dunkeln in seinem Bus sass, meinte George: „Ich habe so viele Klamotten.” Er zog seinen Anzug aus, drückte ihn dem Pastor in die Hand und fuhr davon. Als er gegen Mitternacht an der Unterkunft des OM-Teams ankam, trug er nur noch seine Unterwäsche. Das war ganz typisch für George.

Es war Teil der Kultur von OM, bewusst Teams zusammenzustellen, deren Mitglieder verschiedener Abstammung und Herkunft waren. In diesen bunt gemischten, internationalen Teams bemühte man sich nach Kräften, einander wertzuschätzen. Daran wurde nämlich deutlich sichtbar, wie gross die Kraft des Evangeliums war. Dieser transparente, einfache Lebensstil sprach viele Gläubige im jeweiligen Einsatzland sehr an. Sie waren es nämlich gewohnt, dass Missionare aus dem Westen kamen und ein irgendwie abgehobenes Leben führten. Die OM-Teams lebten in Gemeinschaftsunterkünften (auch wenn das manchmal nur ein LKW-Anhänger war) und bildeten eine Lebensgemeinschaft. Ein Event im Jahr 1969, ein sogenanntes „OM Happening” in Indien wurde im Vorfeld folgendermassen angepriesen: „Lebe, esse, schlafe, bete, predige, lerne gemeinsam mit anderen jungen Leuten aus Indien, England, Amerika, Afrika und Europa”. Unter den angeführten Attraktionen waren: „Wir schlafen auf dem Fussboden und benutzen Bananenblätter als Teller”. Das war OM-Sprache in Reinform.

Die OM-Teams waren überzeugt, dass jeder Mensch mindestens einmal in seinem Leben das Evangelium hören sollte. Darum wurden sie „klug wie Schlangen und arglos wie Tauben” wenn es darum ging, Literatur zu verteilen oder in anderer Form Menschen zu erreichen. Die Teams arbeiteten nachts und steckten Bibeln in jeden Briefkasten. Dabei waren sie der Polizei immer gerade eine Stadt voraus.

Man baute spezielle Lieferwagen mit Geheimfächern, um damit Bibeln hinter den Eisernen Vorhang zu schmuggeln. Die Empfänger waren Gemeinden, die dankbar waren für die Lieferungen. Selbst in „freien” Ländern verkauften die Teams motiviert riesige Mengen an Literatur. Sie brachten damit nicht nur das Evangelium unter die Leute, sondern finanzierten mit dem Erlös auch Essen und Benzin für ihre Fahrzeuge.

OM war es sehr wichtig, dass Kirchengemeinden und christliche Organisationen, die neben den Kirchen bestanden, miteinander in Kontakt kamen und zusammenarbeiten konnten. Alles, was wie ein Hindernis zwischen ihnen stand, sollte aus dem Weg geräumt werden. In den ersten Jahrzehnten gab es nur wenige andere Organisationen, die junge Menschen als Leiter einsetzten. Es war auch in christlichen Organisationen nicht üblich, dass sich Leute aus dem Westen einem Leiter aus dem jeweiligen Einsatzland unterordneten. George ging mit gutem Beispiel voran, um die OM-Bewegung auf diesem Kurs zu halten. Mit seiner Art „im Licht” zu leben leistete er einen wichtigen Beitrag: Er stand zu seinen Schwächen und bat um Vergebung. Das praktiziert er heute noch und hat schon unzählige Menschen inspiriert, es ihm nachzutun.

Anfang der 1960er-Jahre hatte man dann die Vision, ein Schiff zu kaufen. Das war ohne Frage ein radikaler Schritt. Man sammelte etwas mehr als zehn Jahre Erfahrung mit dem Schiff und hatte längst noch nicht alles im Griff, als dann eine weitere, ebenso gewagte Entscheidung folgte: Ein zweites, grösseres Schiff sollte angeschafft werden. Zur Zeit der abschliessenden Verhandlungen mit den Costas, Besitzern der Franca C (später in Doulos umbenannt), war es noch nicht klar, ob OM die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung stehen würden. Ein Vertreter der Costa-Familie machte jedoch folgende Bemerkung über OM: „Wenn diese Leute beten, dann zahlen sie auch!” Dieses Prinzip sollte sich durch die gesamte Geschichte der Bewegung hindurch zeigen: Gottes Stärke zeigt sich dann am meisten, wenn unsere Schwächen am grössten sind.

Rückblickend schrieb George Verwer: „Als junger Christ hatte ich einen Hang zum religiösen Extremismus und tendierte dazu, übertrieben geistlich zu sein. Hätte ich nicht gelernt, den ‚menschlichen Faktor‘ bei mir und meinen Mitmenschen anzunehmen, wäre ich schon früh aus dem Rennen ausgeschieden.”

Und doch ist OM das, was es heute ist, weil tausende von Menschen kompromisslos und konsequent waren bzw. sind: Menschen, die seit Jahrzehnten in grosser Treue beten, Menschen, die finanzielle Opfer bringen, um Teams und Projekte zu unterstützen und Menschen, die voller Begeisterung andere dazu motivieren, sich anzuschliessen.

Lawrence Tong, der internationale Leiter von OM, sagt, dass heute immer noch Platz ist für Menschen, die Feuer und Flamme sind; dass es immer noch möglich ist, zu 100 Prozent für eine Sache zu leben: „Gott gebraucht Menschen, die sich leidenschaftlich, mit Haut und Haar für etwas einsetzen und sich komplett auf eine Sache konzentrieren. Er gebraucht sie mitten unter uns, um unser Denken infrage zu stellen und die Art von Veränderungen anzustossen, die in uns Wachstum und Weiterentwicklung bewirken. Wir müssen Platz für Menschen schaffen, die anders sind als wir, die uns weiterbringen, uns anspornen, uns helfen alte Denkmuster aufzubrechen. ‚Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe und mit deinem ganzen Verstand.’ (Mt. 22,37; NGÜ). Das ist die beste Art, die ich kenne, um mit Haut und Haar für etwas einzustehen!”

Greg Kernaghan arbeitet schon seit 1978 mit OM. Zu jener Zeit waren die OM-Pioniere in Leitungspositionen und die Geschichten der ersten Abenteuer konnte man noch aus erster Hand hören. Greg und seine Frau Anni dienten auf dem Schiff, in Finnland, in Kanada und als Teil des internationalen OMNI-Teams (Kommunikation).