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Kein Risiko zu gross, keine Idee zu wahnwitzig

In Museen findet man nur wenig Zeugen der OM-Geschichte. Darum ist es auch nicht überraschend, dass nur Wenige dem Plastiksack, vollgestopft mit Literatur, im „Museum des Atheismus“ in Albanien die Bedeutung beimessen, die er verdient. Für die unerschütterlichen OMer die während der kommunistischen Epoche mit dabei waren, zeigt er die wahnwitzige Entschlossenheit, die Gute Nachricht hinter den Eisernen Vorhang zu bringen.

Dieser wasserdichte Plastiksack mit einem Neuen Testament und christlicher Literatur sollte von der „richtigen Person“ aus dem Fluss gefischt werden, blieb aber in einem Drahtgitter hängen. Dies war vielleicht nicht die effektivste Methode, aber zeigt die Bereitschaft der OM- Teams, für die Gute Nachricht überall hin zu gehen und jede Methode auszuprobieren.

Kein Risiko schien zu gross, keine Idee zu wahnwitzig: Für 60 Jahre war OM Zeuge, wie OMer der Guten Nachricht total verpflichtet waren. Während der kommunistischen Epoche, betrieb OM eines der grössten Bibel- und Literaturschmuggel-Netzwerke hinter dem Eisernen Vorhang.

Diese Aufgabe war nur für Menschen, die bereit waren, Gott absolut zu vertrauen. Sie fühlten sich verpflichtet, die unterdrückte und verfolgte Kirche in Osteuropa zu unterstützen, sie waren bereit, jeden Preis zu bezahlen.

Drastische Methoden
Während einige Initiativen – wie zum Beispiel Plastiksäcke in Flüssen oder das Verteilen von Literatur mittels Wetterballon – keinen grossen Erfolg hatten, wurden speziell umgebaute Ford Transit Lieferwagen zum üblichen Standard.

In seinem Buch Stones of Remembrance, erzählt der ehemalige OM-Leiter David Babcock, dass Grenzwächter Reisende normalerweise fragten: „Haben sie Waffen, Drogen oder Bibeln?“ Dass die Bibel mit anderer Schmuggelware als gefährlich eingestuft wurde, zeigt, dass die Sowjets realisierten, dass die Bibel eine Gefahr für ihre Ideologie sein könnte. Die Kommunisten wussten, dass dieses Buch ihrer Kontrolle über die Leute schaden könnte. Darum versuchten sie, Bibeln im ganzen Sowjetblock systematisch einzusammeln und zu zerstören.

Die Verwendung von Transit Lieferwagen war ein immenses Risiko und brachte alle, die damit zu tun hatten, in grosse Gefahr. Gründliche Grenzkontrollen und viele Strassensperren machten ein Verhör oder sogar eine zeitweilige Inhaftierung zu einer realen Gefahr.

„Ich bebte“, erinnert sich Robert*, ein OM-Mitarbeiter, als er erzählte, wie er Ungarn nach einer Lieferung von Literatur verlassen wollte. Auch ein leerer Kastenwagen war gefährlich, wenn die eingebauten Verstecke entdeckt würden. „Zitternd betete ich, als ich mich der Grenze näherte. Ich war nahe daran, alles zu verraten, während ich dem Grenzwächter zögernd meinen Pass reichte. In dem Moment ging ein Alarm los. Der Pass wurde mir genau dann, als ich ihm alles erzählen wollte, zurückgegeben.“ Eine weitere Geschichte in Davids Buch erzählt von einem kühnen, jungen Mann, der ganz allein 15 Koffer voller Bibeln mit dem Zug von Deutschland nach Bulgarien brachte. Er schleppte sie über den Bahnsteig und füllte damit einen ganzen Wagen, den er ohne erwischt zu werden einer Familie in Sofia übergab.

Es existieren zahlreiche ähnliche Zeugnisse. Gott half durch Wunder, liess die Grenzwächter für die Schmuggelware blind werden oder liess Bohrmaschinen abbrechen, um zu verhindern, dass die Wächter zu den Verstecken voller Literatur vordringen konnten.

Während die meisten Teams die Grenzübertritte ohne grosse Probleme überstanden, war es nicht in Gottes Plan, dass dies allen gelang. Ausweisung und Eintrag in Schwarze Listen war für die meisten die Strafe, wenn sie erwischt wurden. Einige wurden aber viel härter bestraft, zum Beispiel mit mehreren Monaten Gefängnis.

Perfekte Zusammenarbeit

Bis zum heutigen Tag respektieren sich die OM-Schmuggler und die Untergrundgemeinden. „Zu unserer Verwunderung wurden wir von unseren osteuropäischen Kontakten auf ein Podest gehoben, aber wir lernten auch, was es für sie bedeutete und in welche Schwierigkeiten es sie bringen könnte“, erzählte Robert. „Ich erinnere mich, wie eine Pfarrfrau ihre Freiheit andauernd riskierte. Ihr Ehemann war damals schon im Gefängnis wegen seiner Kontakte mit Untergrundgemeinden. Sie wusste, dass ihre Wohnung mit Abhörgeräten versehen war, trotzdem war sie bereit, weiterzumachen!“

„Wir logen nie“, bestätigt Robert, als er darlegte, wie sich die OM-Teams strikter biblischer Rechtschaffenheit bedienten. „Es war aufregend zu wissen, dass das, was wir taten, moralisch auch richtig war. Natürlich beantworteten wir Fragen sehr vorsichtig, aber gelogen haben wir nie! Wir waren gut geschult, wussten, was wir zu erwarten hatten, und was wir tun müssten, falls wir erwischt würden.“

„Wir lasen die Bibel zusammen und hatten wunderbare Gebetsgemeinschaften“, erzählte Robert. „Wir beteten immer bis Mitternacht bevor wir eine Grenze überschritten und sahen Gottes Antwort – richtige Gebetserhörungen in wöchentlicher Regelmässigkeit.“

„Wir hatten keine Ahnung, was für Auswirkungen unsere Arbeit haben würde, aber wir wussten, was wir zu tun hatten bis Gott die Türen schliessen würde“, berichtete Sharon, ein weiteres Teammitglied von OM.

„Es war riskant, aber die Christen, die die Untergrundgemeinden leiteten, trugen ein viel grösseres Risiko“, glaubt Gary Sloan, der in den Neunzigerjahren der erste Leiter von OM Russland wurde. „Wie schlimm wir auch behandelt werden konnten, viel Schlimmeres würde einheimischen Christen bevorstehen. Die osteuropäischen Gemeinden waren die wirklichen Helden.“

Geh überall hin und tue, was nötig ist, dass jeder Mensch die Gute Nachricht wenigstens einmal hört! Dieser Wert sitzt auch heute noch tief in jedem OM-Team, sei es durch Nothilfe in Kriegsgebieten oder durch das Bringen von Bibeln in schwer erreichbare Gegenden, OM-Teams tun ihr Bestes!

*Name geändert

Der Schotte Kris Johnstone arbeitet als Autor und Editor für das Global Magazine von OM UK. Früher war er als Copywriter für die Werbebranche tätig. Er liebt Essen, Reisen, Kunst, Surfen und die Jugend näher zu Jesus zu führen.