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In entlegenen Gebieten Sibiriens

Als ich am 9. Mai 1993, dem Sieges-Tag, in Russland eintraf, schneite es – ein würdiger Willkommensgruss in Sibirien, auch im Frühjahr!“, erinnert sich der Australier Lloyd Porter, der später während zehn Jahren OM Russland leitete.

Von Anfang an füllten Studenten jede Woche die kleine OM-Wohnung, begierig Gottes Wort zu hören. „Oft hatten sie keine Ahnung, wer Gott ist, doch sie wollten unbedingt mehr über Gott lernen”, erzählt Lloyd. Sie waren begeistert von ihrem neuen Glauben. An Samstagen feierten sie Gottesdienst mit ihren Leitern und an Sonntagen gingen sie in eine Kirche. Am Montag hatten sie Unterricht im Weitergeben des Evangeliums, am Mittwoch Bibelstudium und am Samstag Einsätze in Bahnstationen und Einkaufszentren. „Sie wollten in ihrem Glauben wachsen und ihn auch weitergeben”, erinnert sich Lloyd“, aber sie brauchten unbedingt Schulung, um dies zu tun.”

Etwa um diese Zeit sagte ein Pastor, der während der Zeit des Kommunismus seinem Glauben treu geblieben war, zum OM-Team: „Das Beste, das ihr tun könnt, ist junge Leute auszubilden und in ihrem Glauben zu stärken. Und weckt in ihnen den Wunsch, die Menschen in entlegenen Gebieten Sibiriens zu erreichen!”

Dies berührte die OM-Leiter zutiefst und die Idee etablierte sich, als Colin und Bron in den späten Neunzigerjahren zum Team stiessen. Bald darauf begann ein Russe mit dem Namen Vitali regelmässig am OM-Gebetstreffen teilzunehmen. Er brachte eine grosse Landkarte der Umgebung mit sich. Wenn er mit dem Finger auf eine Stadt zeigte, betete die Gruppe für diese Stadt. Vitali betete, dass Gott OM brauchen möge, um Missionare für diese Stadt auszubilden, damit sich Gottes Reich auch in dieses Gebiet ausdehnen würde. „Gott hatte etwas begonnen”, sagt Colin. „Einige Zeit später wurde uns klar, wieviel besser es war, andere auszubilden, statt selbst an der ‚Front‘ zu arbeiten.”

Dienen durch Lehren

Über die folgenden zwei Jahre erarbeitete das OM-Team ein 6-monatiges Studienprogramm für Russen, kaufte eine 4-Zimmer-Wohnung und lud Einheimische ein, dort zu lernen. „Es war ein spezieller Tag, als 2006 die Türen für die ersten acht Männer und Frauen geöffnet werden konnten”, erinnert sich Colin.

Das Team machte sich Sorgen, weil das Schlafzimmer eher klein und spärlich eingerichtet war und entschuldigte sich bei den drei jungen Teilnehmern dafür. Daraufhin lachten die Männer lauthals, denn zwei von ihnen waren erst kürzlich aus dem Gefängnis entlassen worden. Dort hatten sie eine Zelle der gleichen Grösse mit 18 anderen geteilt. „Es ist und bleibt ein Markenzeichen unseres Jüngerschaftsprogramms, dass Gott uns ehemalige Drogenabhängige, Alkoholiker und Kriminelle anvertraut, die er bereits zu Botschaftern der Guten Nachricht umzuwandeln begann”, berichtet Colin.

Im Mai 2016 feierte das OM-Team das 10-jährige Jubiläum des Jüngerschaftszentrums. „Was für eine Freude, über 100 ehemalige Schüler, die jetzt über ganz Sibirien und in aller Welt verstreut arbeiten, zu treffen!”, erzählt Colin. „Es war eine unglaubliche Antwort auf ein Gebet, das wir vor nur 12 Jahren in unserer Wohnstube gebetet hatten.”

Im 2013 wurde unser Schulungsteam durch Tim und Jo verstärkt. Innerhalb von zehn Jahren hat OM 138 Leute ausgebildet; 22 befinden sich momentan im Training. Ehemalige Schüler sind nun in verschiedenen Arbeitsbereichen tätig, zum Beispiel im Gemeindebau unter Minoritäten, wie den Tataren in Nordsibirien. Ehemalige besuchen jede Woche lokale Gefängnisse und leiten dort Bibelgruppen unter interessierten Häftlingen. Andere arbeiten auf dem OM-Schiff Logos Hope. Eine Russin, Alena, ist verantwortlich für das Reinigungsteam, bekannt als die Angels (Engel) auf dem Schiff. „In Russland machen wir Witze darüber und nennen Alena den ‚Erzengel‘”, erzählt Tim lachend.

Etwa 25% der Männer, die unsere Schule abgeschlossen haben, gehen ans Pastorenseminar. Ein hoher Prozentsatz arbeitet im vollzeitlichen christlichen Dienst – einige davon sogar in Übersee.

Viele der Teilnehmenden an unserem OM-Trainingsprogramm erzählen eindrückliche Geschichten: Yuri, der im 2016 abschloss, war 12 Jahre alt, als er zum ersten Mal ins Gefängnis musste. Mit 13 lernte er, wie man ein Auto stielt und mit 20 war er schwer drogenabhängig und litt an Tuberkulose. Dann lernte er durch Aleksey Jesus kennen. Aleksey ist Christ, kommt aus demselben Dorf wie Yuri und arbeitet mit OM. Nach einiger Zeit verstand Yuri, dass Jesus sein Leben verändern wollte. Als er sechs Monate später aus dem Gefängnis entlassen wurde, wollte er als Erstes getauft werden. Bald darauf begann er seine Ausbildung an unserer Jüngerschaftsschule. Er studierte die Bibel, lernte predigen, diente auf verschiedene Weise und lernte, die Gute Nachricht weiterzugeben.

OM bietet Russen weiterhin ein 6-monatiges Programm mit intensivem Bibelstudium und Ausbildung im christlichen Dienst an. Nach ihrem Abschluss wird den Teilnehmenden geholfen, in unerreichten Gebieten zu wohnen, den Menschen dort die Gute Nachricht zu bringen und neue Gemeinden aufzubauen. Dadurch erfüllt sich die Vision, lebendige Gemeinden in ganz Sibirien und darüber hinaus zu sehen.

Katherine Porter und ihr Ehemann Lloyd arbeiteten 26 Jahre mit OM. Nach dem Fall des Kommunismus halfen sie für sechs Jahre, Teams in Osteuropa aufzubauen. Während zehn Jahren leiteten sie OM Russland. Im 2007 zogen sie mit ihren zwei Töchtern nach Westaustralien, um dort Leute zu rekrutieren und in die ganze OM-Welt auszusenden. Katherine arbeitet zurzeit als Leiterin von OM Global Organisational Development.