Strapline

Gottes Schlupfloch im Eisernen Vorhang

Glenn*, Dale Rhoton and Stuart McAllister sahen, wie dringend die verfolgten Christen und die unerreichten Menschen hinter dem Eisenern Vorhang Bibeln benötigten und ließen sich davon antreiben, Bibeln zu schmuggeln. Voller Staunen über Gottes Eingreifen reflektieren sie über Erlebtes, das ihren Glauben wachsen ließ, die Vision von OM prägte und an schwierigen Orten Leben veränderte.

Finger, die nichts fühlten

Voller Aufregung und Angst folgten Glenn* und ein Freund 1982 Gottes Aufforderung, christliche Literatur in die Sowjetunion zu bringen. Sie hatten 52 Bücher mit Klebeband am Körper befestigt und waren so auf dem Weg zur russischen Grenze.

„Fünf Männer hielten ihre Maschinenpistolen auf mich gerichtet”, berichtete Glenn. „Mein Herz pochte.” Glenn begann, unter seinen dicken Winterklamotten zu schwitzen, und merkte gleichzeitig, wie sich das Klebeband löste. „Ich dachte, einige der Bibeln würden aus meinen Hosen herausfallen”, erklärte Glenn. „Aber ich sagte meiner Seele immer wieder: ‚In Jesu Namen, diese Bibeln können nicht entdeckt werden."

Ein Grenzwächter durchsuchte den jungen Amerikaner und tastete seinen ganzen Körper ab. Er begann bei den Knöcheln. „Ich spürte, wie er die Bibeln in mein Fleisch drückte”, erzählte Glenn. „Dann kam mir der folgende Gedanke: Das Wort wurde Fleisch.” Als der Grenzwächter Glenns Bauch rundherum abtastete, schaute dieser aus dem Fenster und betete innerlich. Er wusste nicht, was passieren würde und musste daran denken, dass ihm ein sibirisches Arbeitslager bevorstehen könnte. Schließlich kam der Grenzwächter an Glenns Kopf an und sagte: „Sie können gehen.” „Das war das erste Wunder, das ich erlebte”, betonte Glenn. „Es veränderte mein Leben, gab ihm eine neue Richtung. Ich bekam dadurch eine besondere Liebe für Menschen in der ehemaligen Sowjetunion.”

Glenns Trip wirkte wie ein Katalysator: Er schloss sich Greater Europe an, dem Bibelschmugglerteam von OM. Später initiierte er eine Arbeit Russland. Beim Transport zehntausender christlicher Publikationen erlebte er Wunder über Wunder.

„Wenn du das erlebst, dann wird dein Leben nie mehr dasselbe sein”, erklärte Glenn, der heute immer noch für OM arbeitet. „Unser Gott kann alles!”

Augen, die nichts sahen

Die Vision, Bibeln zu schmuggeln, entstand als der Mitgründer von OM, Dale Rhoton, Pastor Richard Wurmbrand im kommunistischen Rumänien traf. Das war im Jahr 1964, kurz nachdem der Pastor aus dem Gefängnis entlassen worden war. Dale versuchte herauszufinden, bei welchem der Männer in der Wohnung es sich um Richard Wurmbrand handelte. Wer sah so aus als hätte er 14 Jahre im Gefängnis verbracht? Er ließ seinen Blick schweifen, konnte ihn jedoch nicht ausmachen. Er fragte seinen Sitznachbarn, der „… auf einen Mann zeigte, dessen Gesicht leuchtete”, erzählte Dale. „Seine Begeisterung, seine Hingabe und seine Bereitschaft, das eigene Leben erneut zu riskieren, überwältigten mich.”

Im Nachhinein erfuhr Dale, dass der Pastor leiden musste, weil er verraten worden war. Während eines späteren Besuches begrüßte ein Mann Richard herzlich. „Sie umarmten sich und küssten sich so, wie das in Rumänien üblich ist”, erinnerte sich Dale. Sie gingen weiter und Dale merkte an: „Das ist ja interessant: Er heißt genau wie der Mann, der dich verraten hat.”

„Rhoton! Wir machen alle Fehler!”, gab Richard eindringlich zurück.

„So ließ er den Mann ziehen, der ihn verraten hatte!”, erzählte Dale überwältigt. „Seine Gefängniszelle war kein angenehmer, warmer Raum – er wurde dort gefoltert. Er zeigte uns Stellen auf seinem Rücken, an denen man ihm das Fleisch herausgerissen hatte.”

Das Zeugnis von Pastor Wurmbrand und der starke Wunsch der gläubigen Christen, unbedingt eine Bibel zu erhalten, auch wenn sie dafür einen hohen Preis bezahlen mussten, spornten Dale an. Und so startete er 1968 Greater Europe. Normalerweise versteckten sie Bücher in umgebauten Lieferwagen. Einmal nahm Dale jedoch einfach nur vier Koffer mit in einen Zug nach Bukarest. Die Taschen der anderen Passagiere wurden durchsucht, aber keiner schenkte seinem Gepäck Beachtung. „Als ich die Bibeln überbrachte, war der Gläubige vor Ort erstaunt, wie viel da drin war”, erzählte Dale.

Ein verändertes Herz

„Gute Literatur ist grundlegend notwendig für ein gutes, gelingendes Leben”, erklärte der ehemalige OM-Leiter Stuart McAllister. Seine Überzeugung führte dazu, dass er wegen seiner Aktivitäten im Rahmen von Greater Europe ab 1978 mehrmals Gefängnisstrafen verbüßen musste.

Stuart und drei OM-Mitarbeiter verbrachten 40 Tage in einem Gefängnis in Jugoslawien. „Wir waren erstaunt, wie wichtig es den anderen war, uns kennenzulernen”, erinnerte sich Stuart. Freundschaften entstanden und sie erzählten von ihrem Glauben. „Wir benutzten Symbole und kommunizierten holprig mit den wenigen Wörtern, die wir kannten, um den Menschen Christus zu bringen”, sagte Stuart. „Besonders ein Mann zeigte, dass er im Herzen berührt war.” Stuarts Ehefrau Mary war bei einem der ersten OM-Einsätze im postkommunistischen Albanien dabei. Während eines Bergmarsches übersetzte Burim*, der einheimische Führer der Gruppe. Mary erzählte von Versuchen, Gottes Wahrheit im kommunistischen Albanien zu verbreiten. Sie berichtete, wie sie Bibeln wasserdicht in Tüten verpackt hatten, um sie dann in den Fluss zu werfen. Die Bibeln trieben mit der Strömung flussabwärts von Griechenland und Jugoslawien nach Albanien hinein. Da meldete sich Burim zu Wort. Er war früher bei der Geheimpolizei. Wenn er Bibeln fand, sammelte er sie ein und zerstörte sie. Weil er neugierig war, las er darin. Zunächst bewirkte das jedoch nichts bei ihm. Nach der Öffnung Albaniens hörte er Christen predigen, unter anderem auch OM-Mitarbeiter. Er entschied sich, Jesus nachzufolgen.

„Als ich sein Zeugnis hörte, pries ich Gott!”, erzählte Stuart, der später Burim kennenlernte. „Es freute ihn sehr, zu wissen, dass ihm Gott selbst in dieser Phase seines Lebens seine Hand reichte.”   25 Jahre nach dem Ende des Kommunismus in Mittel- und Osteuropa gibt es in vielen dieser Länder OM-Teams. Sie nutzen es, dass sie größere Freiheit haben. Ein OM-Dienstzweig verlegt und produziert Literatur in gedruckter und digitaler Form und bringt den Menschen damit Hoffnung. Wurmbrands Buch „Gefoltert für Christus” gehört zu den Titeln, die sie herausbringen.

„Es gibt so viel Orte, an denen wir helfen, geben oder arbeiten können”, stellte Stuart abschließend fest. Die große Frage für uns alle: Wer oder was besitzt unser Herz?”

*Name geändert

Inger R. liebt es, Menschen eine Stimme zu geben, indem sie ihre Geschichten erzählt. Sie schreibt für das EurAsia Support-Team (gehört zu OM EAST). Sie kommt aus Schottland, ist Halb-Dänin und liebt Zeichnen und Schlagzeugspielen. Sie trinkt gerne kräftigen, britischen Tee, den sie gerne mal verschüttet, weil sie so sehr lachen muss.