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Gott ruft ganz normale Christen für Kurzeinsätze

Als OM in den 1960ern unausgebildete Leute für Kurzeinsätze annahm, war das etwas völlig Unerhörtes. Heute ist es zu einem Haupteingang in die Mission geworden. 

Vor 60 Jahren sah die Welt anders aus. Präsidenten und Priester hatten viel mehr Einfluss auf die Öffentlichkeit. Flugreisen waren ein Luxus, den sich wenige leisten konnten. Missionsgesellschaften suchten Menschen mit einer gründlichen Ausbildung und der Bereitschaft, den Rest ihres Lebens auf dem Missionsfeld zu verbringen. Missionarische Kurzeinsätze waren unbekannt.  

1960 zogen George Verwer, der Gründer von OM, und seine Frau Drena nach
Madrid / Spanien und im Dezember kamen Betty Holt und Jean Davey aus den USA, um zu helfen. Ein Jahr später stiess eine Gruppe von 25 Amerikanern dazu und gemeinsam bildeten sie drei Teams, die in Spanien, Frankreich, den Niederlanden, Deutschland und Österreich arbeiteten. Ziel war, Teilnehmer für den allerersten Sommereinsatz zu gewinnen. (Dieser Einsatz wurde von Jonathan McRostie organisiert, der später der Leiter von OM in Europa wurde.) An den Abenden und sonntags sprachen sie in Gemeindeveranstaltungen, tagsüber gingen sie von Montag bis Freitag mit evangelistischen Flyern und Büchern von Tür zu Tür. Manchmal unterstützten Jugendliche aus einer Gemeinde vor Ort sie samstags bei einer grossangelegten Flyer-Verteilaktion.

Die Teams beteten um 200 junge Menschen, die im Sommer 1962 mithelfen würden, die Städte in Europa zu erreichen. Gott erhörte sie über ihre Erwartungen und brachte ihnen 400 junge Leute. Ganz gewöhnliche Christen wurden eingeladen mitzumachen, ohne besondere Vorkenntnisse oder Ausbildung und die Zahlen stiegen beständig.  

Komfort und Zeit aufgeben
„Revolution der Liebe“ und „alles für Christus aufgeben“ gehörten zu den Schlagwörtern. Die Botschaft des Evangeliums musste in grösstmöglichem Umfang bekannt gemacht werden, auch wenn das bedeutete, Komfort, Zeit, Geld und Luxus aufzugeben. Es konnte bedeuten, dass man in einer Gemeinde am Boden schlief (oder sogar in einem Kleinbus), lange Stunden arbeitete und oft mit wenig Geld und manchmal mit knappem Essen auskommen musste. Das Evangelium weiterzugeben, war wichtiger als persönliche Bedürfnisse.  

Flyer mit einer kurzen evangelistischen Botschaft und dem Angebot für einen Bibelkorrespondenzkurs wurden in Massen verteilt. Christliche Literatur und Bibeln wurden verkauft oder verschenkt, das Geld dafür versorgte den Kleinbus mit Treibstoff und das Team mit Essen. Die Botschaft wurde bei Strassenpredigten, Filmabenden, Tür-zu-Tür-Besuchen und in persönlichen Gesprächen mit Einzelnen weitergegeben. Gebet war ein ganz wichtiges Anliegen und jeden Morgen traf sich das Team zu einer Andacht mit Bibelstudium. Es gab eine Zusammenstellung von Sätzen in der Sprache des Gastlandes, damit auch ausländische Teammitglieder ein einfaches Gespräch führen konnten.  

Im Jahr darauf, 1963, konzentrierten sich die Teams darauf, die Dörfer in den südlichen Ländern Europas zu erreichen, statt der Städte wie im Jahr davor. Fast 2000 Menschen kamen aus 30 Ländern (700 davon allein aus Grossbritannien!) und über einen Zeitraum von drei Monaten arbeiteten die Teams mit 400 Ortsgemeinden und 25 Missionswerken zusammen. Zusätzlich zur Gewinnung von Mitarbeitern und der Logistik, um die Vorbereitungskonferenzen und den Transport zu organisieren, mussten sie auch mit Widerstand rechnen. In einigen Ländern erlebten sie regelmässig Verhaftungen und Verhöre durch die Polizei.  

Priester zerreisst Flyer
Betty Holt war die Leiterin eines Mädchenteams, das durch fünf oder sechs Provinzen in Andalusien im südlichen Spanien reiste. Zu der Zeit stand Spanien immer noch sehr unter dem Einfluss der katholischen Kirche und von General Franco. Daher hatten alle in Spanien Angst vor den Protestanten, gleichzeitig waren sie aber auch hungrig nach Gottes Wort. „In den meisten Dörfern verteilten wir problemlos evangelistische Flyer an jeden, den wir trafen, nur um dann zu erleben, wie der Priester sie kurz darauf alle zerriss“, erinnert sich Betty.  

In einem Dorf, als die spanischen Mädchen vom Team sich auf echt spanische Art angeregt mit dem Polizisten unterhielten, hatte Betty ein ruhiges Gespräch mit dem Priester. „Er fragte mich, wer wir seien, was wir glaubten und warum wir das machten, was wir machten“, erzählte Betty. „Am Ende bestätigte er, dass er meine Erklärung begriffen habe: Wir werden gerettet, wenn wir an das durch Christus am Kreuz vollendete Werk glauben, und dass unsere guten Werke uns niemals in den Himmel bringen“, fährt Betty fort. „Schliesslich forderte er den Polizisten auf, uns laufen zu lassen. Er nahm uns (sechs junge Frauen) zu sich nach Hause und zeigte uns dort eine Schrift, die er verfasst hatte und an die Menschen verteilte, basierend auf der Bibel. Wir verbrachten  eine kurze, aber ermutigende Zeit mit ihm, während der wir ihm noch mehr von Christus erzählen konnten.“  

Ihre Angst vor Verhaftungen verschwand nach und nach, als sie merkten, dass diese Verhaftungen zu den besten Gelegenheiten für die Weitergabe des Evangeliums führten – mit der Polizei! „Dieser Sommer in Spanien bereitete mich auf die Arbeit in der kommunistischen Welt vor, weil ich lernte, mit den Polizeibehörden umzugehen, und weil meine Bereitschaft, ins Gefängnis zu gehen oder um Jesu Willen zu leiden, geprüft wurden“, schrieb Betty viele Jahre später in ihrem Buch „Von Chicago bis ans Ende der Erde“.  

Die Sommereinsätze gingen weiter und immer mehr Teams wurden in verschiedene Länder gesandt, einschliesslich hinter den sogenannten „Eisernen Vorhang“, um Bibeln an die Gläubigen im Untergrund der kommunistischen Sowjetunion zu schmuggeln. Später gab es auch Kurzeinsätze über Ostern und Weihnachten und heute – das ganze Jahr durch und auf allen Kontinenten. Methoden und Örtlichkeiten haben sich vielleicht seit den Pioniertagen des Anfangs geändert, aber heute sind Kurzeinsätze für OM und zahlreiche andere Organisationen zu einem Haupteingangstor in die Mission geworden. Gott ruft immer noch ganz gewöhnliche Christen, um die Gute Nachricht weiterzugeben und daran zu arbeiten, dass dynamische Gemeinschaften von Jesus-Nachfolgern überall auf der Welt entstehen.  

Anne Marit Viljoen kommt aus Norwegen. Sie fing Anfang der 80er Jahre mit drei Sommereinsätzen in Frankreich an und ist seither als Langzeitmitarbeiterin in der Verwaltung, Gästebetreuung, Leitung und Kommunikation in Europa und in der Region Ostasien/Pazifik tätig. Sie und ihr Ehemann leben in Norwegen, momentan ist sie Teil des Kommunikationsteams von OM Europa.