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George Verwer und die Entstehung von OM

Wer würde auf den Gedanken kommen, dass ein beliebter und unanständiger Teenager – der seine Zeit zum grössten Teil damit verbrachte, Mädchen nachzujagen – nur ein paar Jahre später die Grundlage für ein internationales Missionswerk legen würde? Die Geschichte von George Verwer begann, als Dorothea Clapp, eine Frau aus New Jersey (USA), ihn an oberste Stelle ihrer „Heiliger-Geist-Gebets-Liste“ setzte.

In Wyckoff, New Jersey, war George im Jahr 1953 ein vierzehnjähriger, übermütiger Junge, der in der Ramsey High School vielversprechende Führungsqualitäten zeigte, als der Sohn von Frau Clapp ihm erstmals eine Ausgabe des Johannes-Evangeliums überreichte. Zwei Jahre später wurden ihre Gebete für seine Rettung erhört: bei einer Billy-Graham-Veranstaltung im Madison Square Garden nahm George Jesus an. Die beharrliche Frau Clapp begann daraufhin dafür zu beten, dass George Missionar werden würde. Sie konnte nicht ahnen, wie bald schon dieser kleine Same des Glaubens aufgehen würde.

George nutzte seine Position im Schülerrat, indem er Zeugnis vor einer grossen Versammlung gab und Kopien des Johannes-Evangeliums in den Schulfluren verteilte. Um die 200 Schüler kamen durch diese Aktionen zum Glauben, und in George wurde die Leidenschaft und Gabe wach, Menschen für Jesus Christus zu gewinnen.

Im College fand er heraus, dass über 70 Prozent der mexikanischen Bevölkerung nicht einmal einen einzigen Bibelteil besassen. Völlig empört von dieser Tatsache – und angesichts der Nähe, die Mexiko zu den USA, der Hauptnation der Aussendung von Missionaren hatte – und gepackt von der brennenden Überzeugung, dass „jeder das Evangelium zumindest einmal gehört haben sollte“, brütete er einen Plan für seine Sommerferien aus. 

Im Juni 1957 packten er und seine Klassenkameraden Dale Rhoton und Walter Borchard einen alten 1949 Dodge-Truck voll mit spanischen Evangelien und Traktaten und fuhren von Chicago aus nach Mexiko City. Sie verpflichteten sich dazu, den Trip die nächsten drei Sommer zu wiederholen und starteten „Send the light“ (STL – Sende das Licht), eine vollwertige Missionsorganisation zur Verbreitung von Literatur. Diese umfasste auch einen Vorstand und „La Vida Abundante“ („Das reiche Leben“), den ersten christlichen Buchladen in Mexiko City.

Im College lernte George Drena Knecht kennen, die als Sekretärin in der Filmabteilung von „Moody Radio“ arbeitete und seine Leidenschaft für die Mission teilte – so sehr, dass sie nach ihrer einfachen Hochzeit im Januar 1960 die Flitterwochen ausliessen und direkt nach Mexiko City zogen, um dort den Buchladen zu betreiben. Falls Drena jemals Zweifel daran gehabt haben sollte, dass ihr Leben mit George ein Abenteuer werden würde, so wurden diese spätestens ausgeräumt, als er auf ihrem Trip gegen den Süden die Hochzeitstorte gegen Benzin eintauschte!

Lernen durch Handeln

Acht Monate später hatte sich die Arbeit in Mexiko gut gefestigt, was die Verwers dazu veranlasste, einen weiteren Arbeitsbereich von STL in Spanien aufzubauen. Religionsfreiheit war unter dem faschistischen Diktator Franco nicht gestattet; nur die katholische Kirche durfte religiöse Literatur zur Verfügung stellen, sodass evangelische Missionare vor verschlossener Türe standen. Als die katholische Kirche jedoch ihre eigene Ausgabe des spanischen Neuen Testaments herausbrachte, nutzten George und sein Team die Erfahrungen, die sie in Mexiko gesammelt hatten, um dort erfolgreich einen Buchladen zu eröffnen.

Obwohl „Victoria“, wie der Buchladen genannt wurde, nicht offenkundig christlich war, konnten sie unzählige Exemplare des Neuen Testaments der katholischen Kirche verkaufen – und mit ihnen „ergänzende“ Materialien, die den Fokus auf eine persönliche Beziehung mit Jesus Christus legten. Produkte auf diese Weise zu kombinieren, minderte das Misstrauen der Behörden und formte einen wesentlichen Teil von Georges missionaler DNA: kreative Wege zu finden, um das Evangelium in unverständige Nationen zu bringen.

Später in diesem Jahr nahmen George und seine Teamkollegen diese Herausforderung in einer neuen Form an: Sie schmuggelten Teile des Evangeliums nach Russland, was zunächst alles andere als gut ging. Nachdem George unüberlegt einen Fehldruck des Neuen Testaments aus einem Fenster in Moskau geworfen hatte, erkannte ein Passant die Literatur als verboten und meldete es den Behörden, was in einer Befragung des Teams durch den KGB und ihrer Abschiebung resultierte.

Ihre Bemühungen waren jedoch nicht ganz umsonst gewesen: Die Aktion stärkte Georges Beschluss, dass in einer Zeit explosiver Medien, Technologien und Reisemöglichkeiten jeder Mensch weltweit das Evangelium zumindest einmal hören könnte, und auch sollte! Nach seiner Rückkehr aus Russland hatte er im Gebet eine Vision, wie er diesen Wunsch in die Tat umsetzen könnte.

George betrachtete an einer Raststätte in Europa gerade die Landschaft, als ihm in der Ferne eine Gruppe junger Leute auffiel, die in einen Schulbus stiegen. Plötzlich kamen ihm die Worte „Operation Mobilisation“ in den Sinn und mit ihnen eine neue Idee: mehrere Busse zu erwerben und sie mit jungen Christen zu füllen, die voller Leidenschaft darauf brannten, ihren Glauben mit anderen zu teilen.

Wie der erste Trip nach Mexiko im Jahr 1957 war das Projekt ursprünglich als einmalige Aktion gedacht. Aber als George sich mit europäischen Gemeindeleitern traf und Konferenz um Konferenz organisierte, um seine Vision mit anderen zu teilen, bildete sich aus dem Projekt eine Bewegung heraus. OM hat sich seither die Beschreibung verdient, eine Gruppe von 6400 Menschen zu sein, „die nicht still sitzen können und das Abenteuer, Jesus zu dienen, lieben.“

Wenn man nun zurückblickt, dann begann alles mit dieser geheimnisvollen Frau aus New Jersey – Dorothea Clapp. Durch ihr Gebet wurde aus dem kleinen Samen des Glaubens, der vor 60 Jahren in Georges Herz gepflanzt wurde, ein grosser Baum, der sehr dem Bild ähnelt, das Jesus nutzt, um das Reich Gottes zu beschreiben: gross und immer weiter wachsend, mit Ästen, die sich über die ganze Erde erstrecken… trotz des kleinen Anfangs.  

Patrick Woods, geboren und aufgewachsen in Südamerika, lebt heute in der Gegend von Atlanta und arbeitet für OM USA. Seine Leidenschaften sind Langstreckenlauf, Bücher, Fernsehen, Kaffee und Essen.