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Für jeden etwas

„Es fing alles im Sommer 1981 an“, berichtet Béatrice aus der Bretagne, einer Gegend in Frankreich mit nur wenigen Bibel-gläubigen Christen. „Zwei Mädchen mit blonden Haaren, vielleicht aus Schweden, klopften an unsere Tür. Meine Mutter öffnete und diese beiden sehr jungen Mädchen erklärten in gebrochenem Französisch, dass sie ihre Ferien in Frankreich verbrachten, um christliche Literatur zu verteilen, die die Gute Nachricht von Jesus Christus erklärte.“  

Ihre Mutter gab ihnen etwas Geld, nahm das Buch „Ein Weg: Jesus“ und legte es auf den Tisch. „Meine Mutter las das Buch nie, aber ich“, berichtet Béatrice, „und die Gründe dafür zu entdecken, wer Jesus Christus wirklich ist, brachten mich im Alter von 17 Jahren dazu, Christen zu finden, die mir halfen Jesus als meinen Herrn und Retter zu bekennen.“  

Die sechsjährige (1981-1986) Kampagne „ESPOIR pour les années 80“ (Hoffnung für die 80er) war eine der grössten Literaturverteilkampagnen von OM. Ganz Frankreich – über 35 000 Städte und Dörfer – wurden mit christlichen Flyern und Literatur eingedeckt. Ganz Frankreich brauchte das Evangelium, aber die örtlichen Kirchgemeinden waren nicht in der Lage, jede Stadt und besonders abgelegene Dörfer zu erreichen. OM Teams waren die Antwort, um dieses Ziel zu erreichen. „Wenigstens für jeden etwas“ war das Motto.  

Flyer in jedem Briefkasten

Im Juni, Juli und August wurden bis zu 700 junge Menschen in ein bestimmtes Gebiet ausgesandt, um in jeden Briefkasten einen Flyer zu verteilen. Wenn möglich verkauften sie Bibeln und christliche Bücher und berichteten von ihren persönlichen Glaubenserlebnissen. Französisch-Sprecher waren in Gemeindeteam und arbeiteten mehr mit den örtlichen Kirchgemeinden mit, während die Verteil-Teams sich auf die Verbreitung von Flyern in Dörfern konzentrierten. Pionier-Teams arbeiteten in Gegenden, wo es keine Kirchgemeinde vor Ort gab, dabei vertrauten sie darauf, dass Gott sie täglich mit dem Nötigen versorgen würde.  

Von September bis Weihnachten besuchte Einsatzleiter Chris Short die meisten evangelikalen Gemeinden aus der Gegend, wo sie im nächsten Sommer evangelisieren wollten. Er stellte OMs Grundüberzeugungen vor und erklärte den geplanten Einsatz. Von Februar bis Mai besuchte er jedes Wochenende Gemeinden um zu ermutigen und zu schulen. Dadurch gewann er ein gutes Verständnis für das geistliche Klima im Land.  

Viele Teams hatten keine Unterkunft, einfach, weil es nirgends eine evangelikale Gemeinde gab. Ein Teammitglied berichtet, wie sein „Christentum bis ans Äusserste beansprucht wurde“. Wo es Gemeinden gab, erlebten die Teams ein überwältigendes Willkommen, manche hatten sogar vor der Ankunft der Teams eine Reihe Gebetstreffen organisiert.  

Teammitglied Allister Fugill (UK) sagte von seinem ersten Sonntag in Riom: „Eine alte Dame dankte Gott für unsere Ankunft, dann brach sie weinend zusammen, weil der Herr endlich Leute in ihre Stadt geschickt hatte, die Zeit hatten, alle zu erreichen.“ Er fuhr fort: „Das hatte zweifelsohne eine Auswirkung auf unser Team. Davor hatten viele gedacht: was habe ich von diesem Einsatz? Jetzt hiess es: Wann und wie wird mich der Herr gebrauchen, um ein Segen für die Menschen an diesem Ort zu sein, die schon so lange gebetet haben?“  

Fast schon unheimlich

In einigen kleinen Ortschaften drückten die Menschen ihren Widerstand dadurch aus, dass sie die verteilte Literatur zerrissen. An anderen Stellen schienen sie extrem offen zu sein. Trotz Schwierigkeiten sprechen die Teamberichte von Entscheidungen für Christus. Jean-Claude Tremblay aus Québec in Kanada sagte, dass es sein grösster Segen in diesem Sommer war, zu sehen „wie Gott uns zu Menschen führte, die er schon vorbereitet hatte. Manchmal war es fast schon unheimlich.“  

Das Team in Saint-Junien berichtet von einem Freitagabend, als sie wenig Geld, Lebensmittel und Benzin hatten und es darum einen Notfall-Gebetsabend gab. Am nächsten Morgen entdeckten sie auf ihrer Treppe voller Ehrfurcht und Staunen eine Tasche mit Eiern und Kuchen sowie einem Geldgeschenk.  

Eine Frau aus Lure war so von der erhaltenen Literatur beeindruckt, dass sie um zehn weitere Pakete für ihre ganze Familie bat. Eine andere Frau, die in der gleichen Strasse wie die evangelikale Gemeinde von Lons-le-Saunier wohnte, erhielt vom Juli-Team einen Flyer. Als das August-Team ankam, hatte sie Jesus bereits als Retter angenommen und gehörte zu dieser Gemeinde.  

Fahrzeuge in Not

Gebet und einige reisende Mechaniker sorgten dafür, dass die Teams und ihre Fahrzeuge mobil blieben. Ihre Besuche waren eine grosse Ermutigung und brachten auch Neuigkeiten von anderen Teams. Mechaniker Conrad Wiebe reiste in einem Sommer über 15 000 km und kümmerte sich um Autos in Not. Fünfzig Fahrzeuge waren im Juli und dann wieder im August unterwegs.  

Im Abschlussbericht für Hoffnung für die 80er fasst Chris Short es im Herbst 1986 so zusammen: „Sechs Sommer sind vorbei. Von einigen abgelegenen Gegenden abgesehen wurden alle 35 000 Städte und Dörfer in Frankreich besucht. 85 000 Bücher und Bibelteile wurden verteilt und können jetzt selbst in den entferntesten Ortschaften gefunden werden. 15 000 Menschen haben schriftlich um einen Bibelkorrespondenzkurs oder andere Information gebeten. Etliche haben Jesus als ihren Retter angenommen und gehören nun zu Kirchgemeinden vor Ort. Während der Hoffnung für die 80er-Einsätze haben wir mit etwa 450 freikirchlichen Gemeinden zusammengearbeitet. Hinter jedem Sommereinsatz stehen Tausende, die gebetet und gegeben haben, damit das alles passieren konnte.“  

Viele Jahre später (2016) schrieb der ehemalige Leiter von OM Frankreich Chris Lorimer: „Wir haben im Lauf der Jahre viele evangelikaler Pastoren oder Gemeindeleiter getroffen, die an den OM Einsätze beteiligt waren und die ihre Entscheidung für den vollzeitlichen Dienst auf solche Erlebnisse wie Hoffnung für die 80er zurückführen.“  

Anne Marit Viljoen kommt aus Norwegen. Sie fing Anfang der 80er Jahre mit drei Sommereinsätzen in Frankreich an und ist seither als Langzeitmitarbeiter in der Verwaltung, Gästebetreuung, Leitung und Kommunikation in Europa und in der Region Ostasien/Pazifik. Sie und ihr Ehemann leben in Norwegen, momentan ist sie Teil des Kommunikationsteams von OM Europa.