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Eine Generation pflanzt Bäume, die nächste geniesst den Schatten

Vor 35 Jahren legte das OM-Schiff MV Logos im Herzen der Stadt Schanghai in China an. OM-Gründer George Verwer nannte es „einen der historisch wichtigsten Momente  in der Geschichte von OM“. David Adeney, ein Veteran der China-Mission, weilte während des ganzen Besuchs auf dem Schiff. Er kommentierte, dass dies für die chinesische Kirche vermutlich der erste Kontakt mit der internationalen Kirche seit über 30 Jahren gewesen sei.

Als die Idee eines Chinabesuches aufgeworfen wurde, begannen die Leiter und die Mannschaft dafür zu beten. In Erkundungsreisen wurde die Möglichkeit eines Besuches evaluiert. Zwei leitende Mitarbeiter des Vorbereitungsteams trafen sich in Peking mit einem Vizeminister der chinesischen Regierung. Nachdem Tee serviert worden war, fragte der Minister halblaut, was eigentlich der Zweck des vorgeschlagenen Logos-Besuches sei. Ganz speziell interessierten ihn der „einfache Lebensstil“ und die Tonnen von Büchern, speziell erwähnte er die Bibel. Er informierte die OM-Mitarbeiter, dass seine Regierung eine offenere Haltung gegenüber der christlichen Gemeinde ausarbeite und dass sie nun zu der Kategorie der „Minoritäten-Gruppen“ gezählt würden.

Endlich, im April 1981, fast 30 Jahre nachdem westliche Missionare das Land verlassen mussten, verbrachte die Logos zwei unvergessliche Wochen in Schanghai. Überraschenderweise waren auch die Living Bible und der damals ganz neue IVP Bible Dictionary Teil des Bücherangebotes auf dem Schiff. Die meisten Schiffsbesucher in Schanghai waren von der Regierung akkreditierte Angestellte und alle bekamen einen Flyer in Chinesisch und Englisch, der den Zweck des Logos-Besuches darlegte.

Viele dieser „offiziellen Besucher“ wanderten durchs ganze Schiff, sassen in Morgenandachten und sogar in den Gebetstreffen! Die Harmonie, die sie in dieser internationalen Gemeinschaft, bei der Arbeit und dem täglichen Leben beobachteten löste bei ihnen Verwunderung aus.

Eine Bewilligung wurde erteilt, einen grossen Teil der Buchausstellung der Logos in die National Art Gallery in Peking, die von bis zu 1000 Leuten täglich besucht wurde, zu verlegen. Nach der vorgeschriebenen Registration, sassen viele Besucher um die Tische, die überall in der Galerie aufgestellt waren, blätterten durch die Bücher und unterhielten sich mit der Logos-Mannschaft. Bald wurden in den Gesprächen ernsthafte Fragen über den Glauben an einen lebendigen Gott gestellt. Die beliebtesten Bücher waren der Illustrated Bible Dictionary und I Married You von Walter Trobisch. Überall in der Ausstellung sah man Leute, die sich eifrig Notizen machten.

Der bahnbrechende Logos-Besuch legte das Fundament für zukünftige OM- Schiffsbesuche in China, wie der Besuch der Doulos in Schanghai 1996 und im Jahr 2000 in Schanghai und Nanjing. Während diesen Besuchen wurden in beiden Städten tausende von Lehrbüchern an Schulen und medizinische Ausbildungsstätten verteilt. Auch Besuche in registrierten Kirchen wurden organisiert und oft war es bewegend zu sehen, wie berührt Christen waren, als sie hörten, was Gott auf der ganzen Welt tut. Der Höhepunkt für viele war jedoch das vom Doulos-Chor zum Abschluss des internationalen Konzertes in Nanjing a cappella gesungene Amazing Grace. Die Leute standen auf, sangen mit, klatschten und einige, von ihren Gefühlen übermannt, weinten.

Seit dem ersten Schiffsbesuch 1981 hat sich China unglaublich verändert. Unterdessen werden Bibeln in Nanjing gedruckt und um die ganze Welt verkauft. Die chinesische Kirche hat heute geschätzte 103 Millionen Mitglieder [1]. Professor Yang, ein führender Religionsexperte, glaubt, dass es bis im Jahr 2025 160 Millionen sein werden und dass China damit zur „christlichsten Nation“ der Welt werden wird[2]. Aber auch diese hohe Zahl repräsentiert gerade mal 12% von Chinas 1,4 Milliarden Bevölkerung.

2008 begann die erste offiziell genehmigte Person aus China auf dem OM-Schiff mitzuarbeiten, zuerst auf der Doulos, später auf der Logos Hope. Hersey* wurde in eine atheistische Familie geboren, die sie lehrte, dass Wahrheit und Freiheit über Allem stehe. Gott brauchte Herseys Fragen über die Evolution und zwei amerikanische Missionare in ihrer Stadt, um sie zu ihm zu ziehen. Nach ihrem Schulabschluss arbeitete Hersey für neun Jahre als Englischlehrerin und genoss einen komfortablen Lebensstil. Dann rief Gott sie in seinen Dienst. Fast zwei Jahre vergingen, bis sie bereit war, Gottes Ruf zu folgen.

„Ich übergab Gott alles und fragte ihn, wohin ich gehen sollte“, erinnert sich Hersey.  „Alles ist Teil von Gottes Plan; ich bin nur der Bleistift in seiner Hand.“ Seit ihrer Zeit auf den OM-Schiffen hat Hersey mit OM China chinesische Christen zum Dienst für Gott mobilisiert. Es ist ihr Wunsch, dass chinesische Christen Gottes Königreich unter ihren Geschwistern weltweit aufbauen.

OMs Arbeit erstreckt sich nun über China, Hongkong und Taiwan. Die Leiterin dieses Unternehmens, die Singapurerin Ashley, erinnert sich an die frühe Arbeit der OM- Schiffe mit dem chinesischen Sprichwort: „Eine Generation pflanzt Bäume, die nächste geniesst den Schatten.“

OMs Vision ist, dass chinesische Gemeinden in ganz Ostasien-Pazifik, wo mindestens 35 Millionen Diaspora-Chinesen leben, für die Mission mobilisiert werden. Ashley sagt: „China gewinnt immer, wenn es um Zahlen geht. Heute gibt Gottes Geist einer Missionsbewegung innerhalb der schnell wachsenden chinesischen Kirche die Kraft, die Welt für Gottes Ehre zu bewegen.“

Als die Logos Schanghai verliess, fragten sich einige, ob der Besuch den ganzen Aufwand an Zeit, Geld und Kraft wert war. David Adeney antwortete: „Unterschätze nie all die Kontakte, die geknüpft wurden! Der Samen wurde ausgestreut; welche Früchte daraus entstehen, liegt in Gottes Hand.“ *Name geändert  

[1] www.operationworld.org/country/chna/owtext.html (accessed 20 Sep. 16).

[2] www.telegraph.co.uk/news/worldnews/asia/china/10776023/China-on-course-to-become-worlds-most-Christian-nation-within-15-years.html (accessed 20 Sep. 16)