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Segen entstand aus Verfolgung

Diesen kostbaren Schatz tragen wir in uns, obwohl wir nur zerbrechliche Gefässe sind. So wird jeder erkennen, dass die ausserordentliche Kraft, die in uns wirkt, von Gott kommt und nicht von uns selbst.“ – 2. Korinther 4,7 HFA

Gott nutzte die Schwäche von Julyan Lidstone, Tony Packer und Trevor*, um seine Stärke zu demonstrieren und seine Wahrheit in die am wenigsten erreichten Gebiete Osteuropas und des Nahen Ostens zu bringen. Trotz Verfolgung und Gefangenschaft hatte das göttliche Vorhaben Bestand und führte dazu, dass die Kirche weiter wuchs.

Unter Druck gesetzt, doch nicht zerbrochen

„Wir machen euch zu Staub!”, drohte der Polizeihauptmann dem OM-Mitarbeiter Julyan und anderen gläubigen Mitglieder einer Hausgemeinde in der Türkei. Julyan und seine Freunde wurden 1988 zweimal inhaftiert – um sie abzuschrecken, wurden sie mit Ermittlungen und Einschüchterungsversuchen konfrontiert.

„Das zweite Mal war noch unheimlicher”, erinnert sich Julyan an eine Woche in einem fensterlosen Keller zurück. „Es gab keine Ermittlungen, nur Drohungen, damit wir aufgeben würden.“ Die türkischen Männer, unter ihnen auch Ahmet*, der auf seiner Hochzeitsfeier verhaftet worden war, wurden drei Tage lang mit verbundenen Augen in Einzelhaft gehalten und geschlagen. Ähnlich erging es auch Leyla*: Die Polizisten verbanden ihr die Augen und sagten ihr, sie würde vor einem Schwimmbecken stehen. Leyla konnte nicht schwimmen und die Polizisten drohten ihr damit, sie ins Wasser zu werfen.

„Der grösste Albtraum für Gläubige vor Ort war es, verhaftet zu werden”, erklärt Julyan, der 1980 nach Ankara zog, um dort eine Gemeinde zu gründen. Die Türkei war mit einer Bevölkerung von 50 Millionen Einwohnern und darunter nur 50 bekannten Christen der weltweit grösste unerreichte Staat. „Gott liess zu, dass der Albtraum wahr wurde“, fährt Julyan fort. „Doch obwohl es nicht einfach war, hat er sich als grösser erwiesen.“

Ein Prozess gegen die Christen bestätigte im Endeffekt ihren gesetzlichen Anspruch auf Anbetung – ein Durchbruch, der sie stark ermutigte. Auf ähnliche Weise verhielt es sich mit anderen Problemen die aufkamen und letztendlich in einem bedeutsamen Schritt vorwärts für die Christen endeten. „Auf uns hatte dies die grosse Wirkung, dass wir unsere Angst überwanden und Gott grösseres Vertrauen schenkten“, betont Julyan. Julyan erlebte, wie sich die Gemeinde in Ankara von drei auf 30 Mitglieder vergrösserte. Heute gibt es im ganzen Land etwa 7000 Gläubige, die sich überall in kleinen Versammlungen zusammenfinden.

„Das Wachstum der Gemeinde in der Türkei zu sehen hat meinen Glauben gestärkt”, sagt Julyan, der nun als Botschafter für die weltweite Arbeit von OM unter Muslimen arbeitet. „Gott tut wundervolle Dinge unter Muslimen. Wir leben in einer Zeit voller Möglichkeiten!“

Verfolgt, doch nicht verlassen

Als er 1966 für das Schmuggeln von christlicher Literatur im kommunistischen Jugoslawien in eine Zelle geworfen wurde, schrie Tony zum Himmel: „Warum, Herr? Ein paar Stunden später leuchtete die Zelle auf“, erinnert sich Tony. „Ich spürte einen Arm um mich herum und wie Gott zu mir sagte: ‚Was auch immer sie dir antun, ich werde bei dir sein.‘“

Während einer zweimonatigen Haftstrafe erduldete Tony gemeinsam mit einem anderen OM-Mitarbeiter Schläge, Hunger und Verhöre. Die Wachen warnten ihn: Wenn irgendjemand nach ihm suche, würden sie ihn an einen Ort bringen, an dem ihn niemals jemand finden könnte. „Ich schaue nun zurück und weiss, dass ich das nur durch die Stärke Gottes aushalten konnte“, bestätigt Tony.

Während ihrer Zeit im Gefängnis erzählten die jungen Engländer anderen Gefangenen auf Serbisch von Jesus, teilten auswendig gelernte Bibelstellen mit ihnen und beteten gemeinsam.

Vierzig Jahre nach Tonys Entlassung erhielt er einen Anruf von einem englischen Pastor, der gerade Gläubige in Albanien besuchte und ihm nun von Bojans* Zeugnis berichtete. Bojan hatte ihm erzählt, dass er durch zwei Männer aus dem Westen im Gefängnis von Titograd, Jugoslawien (heute: Podgorica, Montenegro) von Jesus Christus hörte. Nach seiner Entlassung begann Bojan zu Hause ein Bibelstudium. „Ich war ermutigt und erfreut“, staunt Tony. „Wenn du so etwas hörst, dann war das all die Schmerzen und das Leiden wert.“

Tony kehrte vor Kurzem in die ehemaligen jugoslawischen Republiken zurück. Seine Angst davor, wie er wohl auf Soldaten reagieren würde, zerstreuten sich schnell, als er Mirko* traf, einen Ex-Soldaten der sein Leben später Jesus übergeben hatte. „Wir brachen beide in Tränen aus und fielen uns in die Arme“, beschreibt Tony das Treffen. „Es ist die Liebe zu diesen Menschen, die mich wieder zurücktreibt.“

Noch immer vom Vorsatz getrieben, alles zu geben, um das Evangelium zu verkünden, predigt der frühere OM-Mitarbeiter Tony nun in Kirchen und begleitet Teams, um die osteuropäischen und balkanischen Gemeinschaften zu erreichen. „Gott ist am Wirken!“, verkündet Tony. „Es spielt keine Rolle, was wir durchmachen. Gott hat seinen Plan.“

Getroffen, doch nicht am Boden

Der OM-Mitarbeiter Trevor* schmuggelte von 1983 bis zur Öffnung des Landes Bibeln in das kommunistische Rumänien und versorgte so Marcel* und seine Frau Corina*, Kontakte vor Ort, mit Ressourcen. Marcel kam wiederholt für das Verteilen von Literatur ins Gefängnis.

Vor vierzehn Jahren besuchte Trevor Corina gemeinsam mit einem Übersetzer von OM Rumänien. Sie sprach über die Leiden ihres Mannes. „Er und andere Dissidenten arbeiteten in den Kornfeldern“, erzählte Corina Trevor. „Sie mussten das Unkraut jäten – mit ihren Zähnen.“ Brutal zugerichtet und ausgehungert wurde Marcel dem Tode nah ein weiteres Mal entlassen. „Er schaffte es bis zu unserem Haus und klingelte an der Tür“, teilte Corina mit. „Ich fand ihn zusammengebrochen. Ich dachte, er würde es nicht schaffen.“ Corina aber pflegte ihren Mann wieder gesund. „Als er wieder zu Kräften kam“, berichtet Trevor mit Tränen in den Augen, „… wollte er mehr Bibeln.“

Kein einziges Mal lehnte das Paar Literatur von den Bibel-Schmuggel-Teams von OM ab. „Trotz des Bestrebens, den Glauben in Rumänien auszurotten, fand Gott einen Weg, um sein Wort hineinzubringen“, sagt Trevor. Bereit, alles zu riskieren, hinterliessen Marcel und Corina ein Vermächtnis, das zahlreiche Leben beeinflusste. Rumänien hat mittlerweile eine von Europas stärksten evangelikalen Kirchen. OM unterstützt sie weiterhin, damit sie anderen zu Hause und im Ausland von Jesus erzählen können.      

„Wenn du in deinem Leben in andere Menschen investierst und Hoffnung weitergibst, dann wirst du eines Tages damit belohnt werden zu erleben, wie sich Leben durch das Evangelium verändern“, ermutigt Trevor. „Lasst uns unser Leben nutzen!“

*Name geändert

Inger R. liebt es, Menschen eine Stimme zu geben, indem sie ihre Geschichten erzählt. Sie schreibt für das EurAsia Support-Team (zu OM EAST). Sie kommt aus Schottland, ist Halb-Dänin und liebt Zeichnen und Schlagzeugspielen. Sie trinkt gerne kräftigen, britischen Tee, den sie manchmal verschüttet, weil sie so sehr lachen muss.    

Die bereits erschienen Jubiläumsgeschichten findet Ihr hier