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Freiheit für Gefangene

Rhani* hat mit ihren zwölf Jahren bereits mehr Leid erlebt, als die meisten Menschen in ihrem ganzen Leben. Ihre Mutter, die vor fünf Jahren verstarb, war eine Jogini[i] in Indien – ein Kind, das dem Tempel geweiht ist und als Sexsklave missbraucht wird, so wie auch ihre Mutter vor ihr. Sie bekam Rhani als sie selbst noch ein Teenager war und nahm sie später zu religiösen Festen mit, auf denen ihr bis zur Bewusstlosigkeit Alkohol verabreicht wurde. Sexueller Missbrauch war Teil ihres Lebens. Als ihre Mutter starb liess man Rhani bei deren letzten Partner zurück, einem grausamen Mann der versuchte, sie zu erhängen. Schliesslich wurde Rhani in eine Schutzeinrichtung von der Freedom Challenge (Freiheitsherausforderung) gebracht, einer Initiative von OM.

Rhanis Geschichte ist nur eine von schätzungsweise 30 Millionen anderer. Überall werden Frauen in die Sex-Industrie verschleppt, während Kinder zu harter Arbeit gezwungen oder zu Kinderbräuten werden. Die Details mögen sich voneinander unterscheiden, doch die Grundprobleme, die zur Ausbeutung von Frauen und Kindern führen, bleiben dieselben: alte kulturelle Praktiken, mangelhafte Bildung, Armut, die Problematik der Waisenkinder, die mangelnde Durchführung staatlicher Gesetze und mehr. 80 Prozent der Personen in Sklaverei sind weiblich und 53 Prozent sind Kinder. Rhani ist Teil von nur zwei Prozent, die jemals gerettet werden.[ii]

Mit der Verlagerung globaler Trends über mehrere Jahrzehnte hinweg und der festen Etablierung der „digitalen Ära“, erfährt die Welt nun mehr Fluidität als jemals zuvor: Grenzen können einfacher überschritten werden (legal oder illegal), Finanzen strömen uneingeschränkter und die Kluft zwischen Arm und Reich wächst. In solchen Umständen wachsen Ungerechtigkeiten wie Menschenhandel, der zum lukrativsten, weltweiten Handelszweig wurde und schätzungsweise jährlich 28 Milliarden Euro einspielt.

Die Arbeit von OM für Menschenwürde

In Bangladesch heiratete Nuri* als sie zwölf Jahre war. Als sie nur wenig später schwanger wurde, war sie sowohl physisch als auch psychisch unvorbereitet. Der Tod ihres Babys bei der Geburt hinterliess bei Nuri ein schwerwiegendes körperliches und emotionales Trauma. Wegen ihrer Verletzungen von ihrem Mann verstossen, war Nuri ohne Hoffnung. An einem anderen Ort lockten die Träume von einer guten Arbeitsstelle und einer sicheren Zukunft für ihren Sohn Grace* von Nigeria nach Ghana. Zu ihrem Entsetzen war sie betrogen worden und Schulden hielten sie in der Sexsklaverei gefangen. Für Frauen in Sambia, besonders für Witwen wie Jane*, ist das Leben trostlos: In ihrem Kampf ums Überleben ohne angemessene Ausbildung sind sie anfällig für Ausbeutung.

Im Herzen von Mission liegt eine Leidenschaft für Menschenwürde. Die Arbeit von OM deckt im Wesentlichen vier Bereiche ab: Prävention, Entwicklungszusammenarbeit, Rettung und Wiederherstellung. Die Identifikation von Problemen, die zu Unterdrückung und Ausbeutung führen, und deren Vermeidung sind Hauptanliegen. Das Tabitha-Projekt in Sambia und das Namana-Projekt in Madagaskar, genauso wie die Trainingszentren im ländlichen Bangladesch und in Bangalore, Indien, sind Beispiele für Präventions-/Entwicklungsprojekte, die gefährdete Frauen dabei unterstützen, ihr eigenes Einkommen zu generieren.

In Bangladesch fand Nuri* Hoffnung, nachdem sie in einem Zentrum von OM für Fistelpatientinnen behandelt wurde. Sie erhielt eine Ausbildung zur Schneiderin und versorgt sich nun selbst. Die Schulen für Waisenkinder am Tanganyikasee, Sambia, und in Njata, Malawi, versorgen Waisenkinder mit Bildung und warmen Mahlzeiten und verhindern so ihre Verschleppung in die Sklaverei. Guatemalas Operation Rescue (Operation Rettung)[iii] ist ein Entwicklungshilfeprogramm, das sich an wirtschaftlich benachteiligte Familien richtet, die von Arbeitslosigkeit betroffen sind und an Unterernährung, unter häuslicher Gewalt und einem Mangel an Ausbildungsmöglichkeiten leiden. Abigail war eine unterernährte Vierjährige die an Hepatitis erkrankt war, als sie Teil des Programms wurde. Als Operation Rescue sich um ihre ganze Familie kümmerte, kamen ihre Eltern zum Glauben an Gott und heute ist Abigail eine fröhliche Grundschülerin.

Grace* aus Nigeria wurde mit sechs anderen Sexarbeitern von OM gerettet und bekam die Möglichkeit, rehabilitiert und wieder mit ihrer Familie vereint zu werden. Ähnliche Geschichten von Rettung und Rehabilitation, die aus der Arbeit mit Sexarbeitern von OM resultieren, gibt es aus den Balkanstaaten, Mexiko, Hongkong, Italien, Österreich, Singapur, Lateinamerika und aus weiteren Orten zu berichten.

Gebetsbewegungen überall auf der Welt kommen in Schwung und treten für die Beendigung der Sklaverei ein. In OM ist Gebet die Grundlage für alle Initiativen der Menschenwürde und hat in den Medien und vielen staatlichen Einrichtungen zu einem verstärkten Fokus auf die Entlarvung und Abschaffung der modernen Sklaverei geführt. 2011 legte Gott der OM-Mitarbeiterin Cathey Anderson[iv] eine Vision aufs Herz, die zur Bewegung der Freedom Challenge (Freiheitsherausforderung) anwuchs.

Die Freiheitsherausforderung

Im Januar 2012 starteten 48 Frauen aus zehn verschiedenen Ländern was zunächst als der „Freedom Climb” (Freiheits-Besteigung) bekannt wurde und bestiegen den Kilimandscharo in Afrika. Ihre Absicht war es (und ist es auch noch heute) weltweit Gelder zu sammeln, zum Gebet aufzufordern und ein Bewusstsein für Frauen und Kinder zu wecken, die unterdrückt, verschleppt und versklavt werden und selbst keine Stimme haben. Diverse internationale Bergbesteigungen folgten, darunter auch das Base Camp auf dem Mount Everest, in den Rocky Mountains, den Alpen und auf dem Machu Picchu, Peru. Durch diese Aufstiege wurden über die OM-Welt fast drei Millionen Euro für die Arbeit unter betroffenen Kindern und Frauen gesammelt.

Überall auf der Welt werden Gefangene freigemacht. Gebrochene Herzen werden geheilt und Licht verdrängt die Dunkelheit. Gott gebraucht jene die beten, geben und gehen. In Indien änderte sich Rhanis Leben für immer aufgrund des Friedens, den sie in Christus fand. Trotz des entsetzlichen Missbrauchs, den sie erlebt hatte, griff Rhani mit beiden Händen nach einer neuen Zukunft. Sie macht sich gut in der Schule und ihr Traum ist es, Sozialarbeiterin zu werden, um denen zu helfen, die in ähnlichen Situationen gefangen sind.

Annaeretha Grobler machte ihren Doktor über gesellschaftsspezifisch Projekte in „Kreativem Schreiben“ und „Geschichtenerzählen mit dem Fokus auf die Rolle von Oralität und Identität bei der Förderung gesellschaftsspezifischer Wort-Kunst in Su?dafrika. Von 2009 bis 2013 arbeitete sie im Kommunikationsbereich von OM in Afrika. In dieser Zeit sammelte und editierte sie das Werk „Followers and Fishers: Stories of the Emerging Mission Movement in Africa (Nachfolger und Fischer: Erlebnisse aus der wachsenden Missionsbewegung in Afrika).

*Name geändert

[i]Jogini sind Frauen, die durch einen religiösen Brauch – in Indien bekannt als Devadasis – in die Prostitution gezwungen werden. Junge Mädchen werden an eine lokale Gottheit verheiratet, woraufhin es zu ihrer religiösen Pflicht wird, den einheimischen Männern, häufig aus höheren Kasten, sexuell zu Diensten zu stehen. Diese religiöse Praktik wurde zwar im Jahr 1988 verboten, das Gesetz wird aber in vielen Teilen Indiens nicht durchgesetzt.

[ii]http://www.unodc.org/unodc/en/human-trafficking/global-report-on-trafficking-in-persons.html

[iii]Operation Rescue ist eines von sechs Projekten in Lateinamerika, die von der Freedom Challenge unterstützt werden, einschliesslich von Projekten in Argentinien, El Salvador, Costa Rica, Guatemala, Mexiko und Panama.

[iv]Cathy Anderson verstarb im Dezember 2015.  

Hier findet Ihr die bereits erschienenen Jubiläumsartikel